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HOFSTÄTTER PROJEKTE | OBJETS TROUVÉS

In der aktuellen Ausstellung „Objets Trouvés“ zeigt Hofstätter Projekte mit Hannes Böck, Kerstin von Gabain und Guido Kucsko drei unterschiedliche (fotografische) Positionen wie auch ihre Auseinandersetzung mit Kunstobjekten und Gebrauchsgegenständen der Sammlung von Reinhold Hofstätter …

Mitten in einem undefinierten Raum steht eine klassische Skulptur. Sie ist umringt von einer Vielzahl von Bildern und Rahmen, die an die Wand gelehnt wurden. Statt einer frontalen Ansicht auf die Skulptur, wird der Blick des Betrachters auf eine Bruchstelle am Oberarm gelenkt: Der abgebrochene Arm ist lose auf der Schulter der Skulptur platziert und scheint – in der Kombination mit dem umgebenden Raum wie auch der gewählten Perspektive – die Skulptur von ihrer Repräsentationsfunktion zu befreien, oder wirkt sogar fast schon entwürdigend. In anderen Arbeiten hingegen werden Berge von übereinander gestapelten Stühlen oder Überlagerungen von hölzernen Pferdekörpern sichtbar.

Den analogen Schwarz-Weiss-Fotografien von Hannes Böck ist ein dokumentarischer Charakter eingeschrieben. Es ist weniger eine konkrete Bildsprache als vielmehr die formale Anordnung von Objekten im Raum – genauer die Stapelungen von Objekten, Skulpturen, Malereien und Möbeln – die die Verbindung zwischen den einzelnen Arbeiten herstellt und eine Verortung zulässt. Böcks Fotografien kontrastieren dabei im Ausstellungsraum mit leeren Glasvitrinen der 30er Jahren, die Fragen zur Inszenierung von Objekten aufwerfen, suggeriert eine solche Vitrine doch einen gewissen Wert der in ihr enthaltenen Gegenstände. Wie wirkt ein Objekt in einer Glasvitrine? Und wie wird dasselbige in einem Lagerraum inmitten einer Anhäufung von Objekten wahrgenommen?

Es sind die unzugänglichen Depots des Kunsthandels Reinhold Hofstätters, in denen Hannes Böck die vom Zufall generierten Motive fand: Ein Sammelsurium aus einer über 60-jährigen Leidenschaft des Sammelns und Handelns, das mehr als 5.000 Objekte fasst. Mit der Idee einen Dialog zwischen angewandter Kunst und gegenwärtiger Kunstproduktion zu führen, hat Anton Hofstätter den Projektraum Hofstätter Projekte – unter der Leitung von Sophie Tappeiner – im vergangenen Jahr eröffnet. Die Auseinandersetzung mit der Sammlung war daher zwar erwünscht, jedoch keine unbedingte Voraussetzung. Wie vielseitig eine fotografische Auseinandersetzung mit einer Sammlung jedoch sein kann, beweist die Ausstellung „Objets Trouvés“ anhand von drei künstlerischen Positionen.

Verglichen mit der enormen Dichte in den Fotografien von Böck, lassen sich die Fotografien von Kerstin von Gabain als eine fast schon nüchterne Typologie bezeichnen. Vor einem neutralen Hintergrund fotografiert von Gabain jeweils einzeln sechs Thonet Stühle. Die Arbeiten charakterisieren sich durch die immer gleiche zentrale Positionierung des Stuhles vor einer weißen Wand wie auch durch die frontale, strenge Perspektive. Eine systematische oder gar wissenschaftliche Vorgehensweise, die sowohl Ähnlichkeiten zwischen den Stühlen, wie auch ihre Unterschiede aufzuzeigen vermag. Lässt sich auf den ersten Blick die Verwandtschaft dieser Stühle feststellen, wird die „Unterschiedlichkeit im Gleichartigen“ erst bei genauerer Betrachtung der heterogenen Rücklehnen sichtbar. Dabei wird der Blick auf den Stuhl als Ganzes nie freigegeben, die Beine bleiben dem Betrachter stets verborgen. So auch bei den Schränken, die von Gabain mit ihren Fotografien archiviert: Die Füße der Möbel wie auch ihre Bodenhaftung bleiben unsichtbar. Zumindest in der Fotografie. Denn von Gabain erweitert ihre fotografischen Dokumentationen, indem sie Abdrücke von Möbelfüßen herstellt: Ein ebenso technischer Prozess, bestehend aus Negativ und Positiv. Einzeln im Raum positioniert bilden die farbigen Abdrücke nicht nur einen Gegensatz zu der formalen Strenge der analogen Schwarz-Weiss-Fotografien, sondern übersetzen die Fotografie in den Raum. Ein spannender Dialog – nicht nur zwischen Fotografie und Objekt, sondern auch zwischen den beiden künstlerischen Positionen.

Im Erdgeschoss von Hofstätter Projekte werden die Arbeiten von Guido Kucsko gezeigt. Nicht nur räumlich lässt sich eine Trennung zu den Arbeiten von Böck und von Gabain feststellen, sondern auch im Arbeitsprozess. Während Böck und von Gabain eher Dokumentationsverfahren anwenden und keine späteren Eingriffe an den analogen Fotografien vornehmen, markiert das Foto selbst erst den Beginn des technischen Arbeitsprozesses von Kucsko. Die fotografische Auseinandersetzung mit skulpturalen Objekten der Sammlung – die zur Demonstration des Dialoges innerhalb der Ausstellung klassisch auf einem Podest präsentiert werden – erfolgt mit einer Kompaktkamera sowie einer digitalen Nachbearbeitung. Kucsko konzentriert auf Ausschnitte: Von der Diana mit Hündchen aus dem 17. Jahrhundert sind nur die Waden  und die Knie zu sehen, sowie der Kopf des kleinen hinaufblickenden Hündchens.

In einer weiteren, mehrteiligen Serie lassen sich Strukturen von sprudelndem, sich bewegenden Wassermassen erkennen, denen das schreiende, ausdrucksstarke Gesicht einer janusköpfigen Büste eingeschrieben ist. Das Thema des Kunstschönen als auch die Blickkonstruktion wird laut Kurator Edelbert Köb innerhalb dieser Bildserie „metaphorisch und dramatisch überhöht und in ein räumliches Beziehungsnetz“ gesetzt, dessen Mittelpunkt durch die Skulptur selbst generiert wird. Dramatisch überhöht mag stimmen. Kitschig vielleicht auch.

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Objets Trouvés

Hannes Böck, Kerstin von Gabain, Guido Kucsko

Ausstellungsdauer: 20/05 – 17/07/2015

Hofstätter Projekte, Dorotheergasse 14, 1010 Wien

Mehr unter www.hofstätter-projekte.com