Art Basel in Basel 2015 | Unlimited | Galleria Continua | Kader Attia | Arab Spring, 2014

ART BASEL 2015 – UNLIMITED

Als zentraler Teil der Art Basel, feierte der Unlimited-Sektor bereits vor 15 Jahren sein Debut. Die kuratierte Plattform bietet überdimensionalen Skulpturen, Videoarbeiten, Installationen, Performances und anderen großformatigen Arbeiten Raum und präsentiert heuer insgesamt 74 künstlerische Positionen, die an gewöhnlichen Messeständen keinen Platz finden würden. Fanny Hauser präsentiert ihre Highlights.

Wem die Reizüberflutung im Sektor der dicht aneinanderliegenden Galerienstände zu viel ist, sei ein Ausflug in den Unlimited-Sektor der Art Basel empfohlen, der nun bereits zum vierten aufeinanderfolgenden Mal von Gianni Jetzer, Kurator am Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington D.C., kuratiert wurde. Ausgangspunkt der Unlimited stellen heuer insgesamt 74 künstlerische Positionen dar, deren ambitioniertes Format die Grenzen des traditionellen Galeriestandes sprengen. Die überdimensionalen Installationen, Skulpturen sowie Performance- und Wandarbeiten, die in der Halle 1 zur Schau gestellt werden, könnten unterschiedlicher nicht sein und erfreuen sich auch dieses Jahr großer Beliebtheit.

Gleich beim Betreten der Ausstellungshalle werden die BesucherInnen der Unlimited von einem der diesjährigen Highlights in Empfang genommen und können den 1983 geborenen Julius von Bismarck bis zum Ende der Messe beim Essen, Schlafen oder Lesen in einer paraboloid gekrümmten rotierenden Schale beobachten. Ausgestattet mit Laptop und Handy schafft sich der deutsche Künstler ein eigenes Universum mit eigener Anziehungskraft. Wie der Name der Performance Egocentric system bereits verdeutlicht, möchte von Bismarck einer ganz bestimmten Frage auf den Grund drehen: Wie lange muss der Künstler sich auf der rotierenden Scheibe drehen, um sich selbst für den Mittelpunkt der Welt (oder einer der größten Kunstmessen der Welt) zu halten? Auch Olafur Eliasson, bei dem Julius von Bismarck übrigens studierte, ist dieses Jahr an der Unlimited vertreten. In der Installation Your space embracer (2004) stellt Eliasson eines seiner Lieblingsmedien, nämlich Licht, als Subjekt und Werkzeug zugleich aus.

Die Galleria Continua ist gleich vierfach vertreten und sorgt ohne Zweifel für weitere Höhepunkte: Neben der aus 760 Fahrrädern zusammengesetzten Installation Stacked (2012) des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, sticht vor allem Shilpa Guptas aus über 7000 Mikrophonen zusammengesetzter Fels heraus, aus dem singende, klagende oder flüsternde Stimmen zu vernehmen sind. Kader Attia setzt sich in seiner bedrückenden Großinstallation Arab Spring (2014) mit den politischen Aufständen im Mittleren Osten auseinander. Die Arbeit basiert auf der Plünderung des Ägyptischen Museums in Kairo 2011 und besteht aus mehreren Glasvitrinen, die der Künstler selbst zu Messebeginn mit Ziegelsteinen eingeschlagen hat.

Auch die zahlreichen Video-Beiträge, die es aktuell auf der Art Basel Unlimited zu sehen gibt, werden von überraschend vielen BesucherInnen belagert. Wu Tsang vereint in Damelo Todo // Odot Olemad (2010/11) Fiktion und Dokumentation. Die Arbeit basiert auf einer Kurzgeschichte von Raquel Gutierrez und erzählt die Geschichte eines lateinamerikanischen Einwanderers, der in Los Angeles ein neues Zuhause und seine Transsexualität für sich entdeckt. Anna Gaskell setzt sich in Echo Morris (2014) mit der britischen Künstlerin Sarah Morris auseinander. Während Gaskell die Künstlerin in unterschiedlichen Städten, auf Ausstellungseröffnungen oder zuhause porträtiert, orientiert sich die Arbeit selbst stark an den Filmen der britischen Künstlerin. Einen davon kann man sogar auf der Unlimited sehen: Sarah Morris’ Strange Magic entstand ebenfalls 2014 und dreht sich um den von Frank Gehry geplanten Bau der Fondation Louis Vuitton in Paris.

Wer in der überdimensionalen Halle der Unlimited zwischendurch eine kleine Pause einlegen möchte, sollte unbedingt einen Zwischenstopp bei der interaktiven Installation des brasilianischen Kollektivs OPAVIVARÁ! machen. Dort kann man nämlich eigene Teemischungen in schamanischer Tradition zubereiten und anschließend gemütlich in einer Hängematte trinken…