Art Basel in Basel 2015 | Parcours | 303 Gallery, New York, Galerie Koenig, Berlin, Berlin and kamel mennour, Paris | Alicja Kwade | Der Tag ohne Gestern l lll, 2014-2015

ART BASEL 2015 – PARCOURS

Seit mittlerweile fünf Jahren ist der Parcours fester Bestandteil der Art Basel und bespielt die öffentlichen Plätze der Stadt mit großformatigen Exponaten und Performances. Die diesjährige Ausgabe des Parcours konzentriert sich vor allem auf das historische Zentrum der Stadt und dessen Umkreis. Fanny Hauser berichtet.

Der diesjährige Parcours der Art Basel stellt mit insgesamt 23 Arbeiten die bisher umfassendste Ausgabe des Parcours dar. Auch in diesem Jahr wurde Florence Derieux, Direktorin des FRAC Champagne-Ardenne, zum mittlerweile dritten Mal damit beauftragt, den Art Basel Parcours zu kuratieren und versammelte die ortsspezifischen Arbeiten rund um den Münsterplatz im Stadtzentrum Basels. Die Arbeiten stammen von etablierten wie auch jungen internationalen KünstlerInnen und stehen mit ihrer jeweiligen Umgebung in Dialog. Durch den diesjährigen Fokus auf das historische Stadtzentrum soll der Parcours nun stärker mit der Stadt selbst in Verbindung gebracht werden und den Werken eine bessere Plattform und Sichtbarkeit bieten.

So wurden auf dem Münsterplatz eine großformatige Steinskulptur Ugo Rondiones sowie eine Skulpturenserie des amerikanischen Künstlers Nate Lowman installiert. Auch das Basler Münster selbst beherbergt zwei Arbeiten und bietet der deutschen Künstlerin Alicja Kwade Raum für ihre skulpturale Arbeit: Die Formen der drei großen Cortenstahlstrukturen von Der Tag ohne Gestern I–III (2014–2015) gehen auf vorwissenschaftliche Versuche zur Veranschaulichung unseres Universums zurück und umfassen im Inneren ihres Trichters jeweils eine Uhr, die die akkurate Zeit anzeigt. Die Arbeit setzt sich mit den fundamentalen Paradigmen von Raum und Zeit auseinander, durch die wir unsere Positionierung im Universum zu definieren versuchen. Ebenfalls im Basler Münster setzt Alicia Framis sich mit der Problematik der Zensur auseinander und lädt die BesucherInnnen der Installation Room for forbidden books (2014) dazu ein, in über 100 „verbotenen“ Büchern zu blättern, deren Lektüre zu einer bestimmten Zeit in gewissen Ländern ordnungswidrig war.

Während im Naturhistorischen Museum eine großformatige Neoninstallation Blair Thurmans präsentiert wird, reflektiert Alexandra Bachzetsis in ihrer Performance Gold (2004) die erotisierte weibliche Gestalt in der Hiphop- und R&B-Kultur. Ein besonderes Highlight stellt allerdings Davide Balulas Painting the roof of your mouth (Ice Cream) (2015) dar: Die voll funktionsfähige Eisdiele lädt die BesucherInnen im Naturhistorischen Museum dazu ein äußerst ungewöhnliche, in Zusammenarbeit mit Michelin-Sternekoch Daniel Burns entwickelte Eiscreme-Aromen zu verkosten. Die Geschmacksrichtungen umfassen verbranntes Holz, Rauch, Fluss und Schmutz und können entweder in der Eisdiele selbst oder an den in verschiedenen Stadtteilen aufgestellten Eisständen verkostet werden.

Ebenfalls in der Stadt verteilt sind die insgesamt sechs Imaginary Sculptures der von der Galerie Caroline Nitsch vertretenen Künstlerin Alyson Shotz. Die sechs Emailtafeln sehen auf den ersten Blick aus wie gewöhnlich Straßenschilder. Bei genauerer Betrachtung erkennt man aber, dass es sich dabei um Beschreibungen imaginärer Skulpturen handelt, die durch Sprache im Kopf der BesucherInnen entstehen.

Seinen Höhepunkt findet der Parcours allerdings am Abend des 20. Juni. Während die ortsspezifischen Projekte im Rahmen der ebenfalls von Derieux kuratierten Parcours Night bis spät in die Nacht geöffnet hatten, werden gleichzeitig Performances von u. a. Lara Schnitger, Rosa Barba und Julien Bismuth stattfinden. In Kooperation mit dem Haus der elektronischen Künste Basel wird außerdem eine neue Live-Performance von Edwin van der Heide präsentiert werden, bei der es sich um komponierte Licht-Klang-Beziehungen handeln wird.