Dannert

FRAUKE DANNERT | THE WALLS TWISTED

Sonderbare Architekturen und ein neuer Bodenbelag. In der aktuellen Ausstellung „The Walls Twisted“ in der Galerie Lisabird Contemporary – kuratiert von Irene Gludowacz – zeigt die deutsche Künstlerin Frauke Dannert (*1979) mittels verschiedener Medien ihren Umgang mit Raum.

Es ist die Architektur des Galerieraumes, die die temporäre Bodeninstallation von Frauke Dannert in der Ausstellung „The Walls Twisted“ zu einem pittoresken Element werden lässt. Vom Gehweg aus schreitet der Betrachter durch die zu niedrige Tür der Galerie, um sich im nächsten Moment des Wiederaufrichtens auf einer herabführenden Treppe wiederzufinden. Ein körperlich spürbarer Schwellenmoment, der die Bewegung des Betrachters deutlich abbremst. Auf der Treppe positioniert erstreckt sich vor den Augen des Besuchers die gesamte Galerie – nur an zwei Stellen erfolgt eine Sichtsperre durch das architektonische Vokabular.

Was von der Treppe aus zunächst wie ein durchgängig verlegter Teppich mit geometrischen Muster erscheint, entpuppt als eine Bildkomposition, die Dannert mittels einzelner, präzise zugeschnittener und verschiedenfarbiger Teppiche festgelegt hat. Eine ortsspezifische Arbeit, reagiert sie doch nicht nur auf die Treppe als prägnantes Merkmal der Architektur, sondern auch auf das massive Mauerwerk. Der Betrachter wird durch den Raum hindurchgeleitet: Von der Treppe aus führt ein tiefgrauer, diagonal ausgerichteter Weg durch die Mauerwände hindurch. Lachs- und ockerfarbene Teppichelemente fungieren nicht nur als visuelle Begrenzung jenes Weges, sondern vermitteln formal eine außerordentliche Dynamik, die die Bewegung durch Raum hindurch fast schon antreibt und uns erst vor den kleinformatigen, gerahmten Arbeiten an der Wand innehalten lässt.

Die Arbeiten von Dannert, die in kleinen Gruppen sparsam gehängt wurden, kontrastierten mit dem schweren Mauerwerk und weisen dennoch eine unglaublich Präsenz auf. Die Reduktion auf Schwarz-Weiß, der sachliche Charakter und die Frontalität der menschenleeren Arbeiten weist zunächst gewisse Analogien zu den Typologien industrieller Bauten von Bernd und Hilla Becher auf. Reine Architektur, die erst im nächsten Moment eine Irritation auszulösen vermag: Es sind schwerelose, schwebende Körper. Architekturelemente, denen war die Bodenhaftung fehlt, denen aber dennoch ein gewisser dokumentativer Charakter eingeschrieben bleibt.

Es ist die Präzision ihrer Arbeiten, die vom Betrachter immer einen zweiten Blick einfordert. So wie die Bodeninstallation aus einzelnen Elementen zu einem Ganzen zusammengesetzt wurde, bestehen auch ihre Papierarbeiten aus diversen Einzelteilen. Frauke Dannert arbeitet mit gefundenen Bildern von Architekturen: Sie fertigt Schwarz-Weiß-Kopien von abgebildeten Bauten aus Büchern oder Zeitschriften an und verleiht ihnen damit eine historische Dimension. Die einzelnen Elemente werden zu einem nicht mehr verortbaren Element, zum fast schon stillosen Baustein einer neuen Architektur. Mittels von beliebig reproduzierbaren Elementen generiert Dannert mit ihren Collagen fiktive, einzigartige Architekturen, deren Formenvokabular von Spiegelungen, Gitterstrukturen, Spiralen und Verschränkungen geprägt ist. Ihre Schwerelosigkeit kontrastiert mit dem haptischen Grund der Collage aus festem Papier. Ebenso wie die kleinformatigen Arbeiten selbst mit der massiv wirkenden Bodeninstallation in der Galerie kontrastieren.

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FRAUKE DANNERT. THE WALLS TWISTED

Ausstellungsdauer: 30. Mai bis 04. Juli 2015

Galerie Lisabird Contemporary, Brucknerstrasse 8, 1040 Wien, www.lisabird.at