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AUSSTELLUNGEN IN WIEN – JULI 2015

Von einem Sommerloch ist in Wien noch deutlich wenig zu spüren. Fanny Hauser hat sich umgesehen und weiß, welche Ausstellungen im Juli besonders sehenswert sind.

Die Ausstellung Aru Kuxipa | Sacred Secret in der TBA 21 im Augarten ist das aktuell jüngste Vorhaben einer anhaltenden Initiative mittels derer künstlerische Werke zu sozialen und Umweltthemen beauftragt und gefördert werden. Umgesetzt wurde die Schau vom brasilianischen Künstler Ernesto Neto und amazonischen KünstlerInnen, PflanzenheilerInnen und Pajés (Schamanen) aus dem Gebiet des Jordão-Flusses. Der Ausstellungsparcours, der u.a. eine Art „Ritualzelt“ beherbergt, unternimmt den Versuch einen Ort der Transformation und der Begegnung zu schaffen und verbindet so Kunst, Ritual, Heilkunst und zeitgenössische Formen des Ausdrucks miteinander. Gleichzeitig möchte die in Kooperation mit der Kunsthalle Krems entstandene Ausstellung eine neue Form des Ausstellens indigener Kunst und Spiritualität kreieren. Ein Besuch im Augarten lohnt sich übrigens gleich doppelt, denn auch in diesem Sommer findet dort wieder die von der TBA21 initiierte Spoken-Word Performancereihe EPHEMEROPTERÆ statt. In insgesamt neun Episoden werden die Traditionen und Artikulationen von Poesie, Literatur, Performance und sprachbasierten künstlerischen Praktiken erkundet.

Neben der US-amerikanischen Künstlerin Laura Owens widmet die Wiener Secession auch der chinesischen Gegenwartskünstlerin Cao Fei ihre erste Einzelausstellung in Österreich. Für ihre bisher aufwändigste Arbeit RMB City (2008–2011), konstruierte Fei eine komplexe virtuelle Stadt auf der Internet-Plattform Second Life. Neben diesem Schlüsselwerk wird auch das Filmprojekt Haze and Fog (2013) gezeigt, in dem die Künstlerin sich mit dem Überlebenskampf der orientierungslosen urbanen Mittelklasse in einer dystopischen Zombie-Welt auseinandersetzt. Zu den eigens für die Ausstellung entworfenen neuen Arbeiten zählt auch Splendid River, eine Intervention auf der Fassade der Secession, die das Originalgebäude in Wien mit seiner Kopie, dem Sitz eines Immobilienunternehmens in Feis Heimatstadt Guangzhou, in Verbindung setzt. Die Ausstellung kann bis 30. August besucht werden.

Eine Gruppenschau der besonderen Art kann man aktuell im Kunstraum Niederösterreich bewundern. Ausgangspunkt der Ausstellung Re- ist das Medium des KünstlerInnenbuchs, das nicht als Dokumentation einer Ausstellung fungiert, sondern selbst zum „Kunstraum“ wird. Die Ausstellung selbst entsteht erst nach der Publikation und ist daher nicht als herkömmliche Gruppenausstellung zu verstehen: Zu sehen sind nicht die für das Buch entworfenen Werke, sondern die in räumlich-installative Form übersetzen Buchbeiträge der Künstler und Künstlerinnen.

Die Inoperable Gallery widmet ihre aktuelle Einzelausstellung look at me now dem Street Artist Paul BUSK, dessen Affenkopfmotive und Schriftzüge schon seit Jahren das Wiener Stadtbild mitprägen. Bereits 1995 begann der Künstler seine Leidenschaft für Typografien, Logos und Zeichensätze mithilfe von Graffiti umzusetzen. In seiner Schau in der Inoperable Gallery setzt er sich vor allem mit der absoluten Distanzierung von Besitz und der damit einhergehenden Freiheit, jederzeit und überall sein und agieren zu können auseinander. Ebenfalls zentrales Thema der Schau ist die von ihm über die Jahre aufgebaute Identität, deren Mythos Teil der Street Art-Szene ist und bewusst mit anonymisierenden Elementen spielt.

Abschließend sei noch ein Besuch in der Galerie Hinterland im 5ten Bezirk wärmstens empfohlen. Durch ihren Schwerpunkt auf die Kunst des Nahen und Mittleren Ostens möchte die Galerie Raum für einen interkulturellen Dialog und kulturelles Verständnis schaffen. Bis 1. August präsentiert die Galerie eine Serie von Druckgraphiken des in Bagdad geborenen Künstlers Hawy Rahman, dessen Auseinandersetzung mit Krieg sich konstant durch seine Arbeiten zieht. In seinen zwischen 2003 und 2005 entstandenen Arbeiten bricht der Künstler allerdings damit und setzt seine persönliche Vorstellung des Sufismus mit einem abstrakten Formenvokabular bildlich um.