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CHALLERY. 100% KUNST. 100% SPENDE.

In Zeiten, in denen die Preise für Zeitgenössische Kunst immer mehr explodieren und auch irritieren, sticht in Wien ein Projekt besonders heraus: Die Challery. Seit Frühjahr diesen Jahres gibt es in Österreichs erster und einziger Charity Gallery hochwertige Kunst für den guten Zweck zu kaufen. 100% werden dabei direkt als Erlös gespendet. Sabrina Möller hat sich mit Michael Schmidt-Ott, Gründer der Challery, getroffen und mit ihm über das Projekt gesprochen …

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Michael Schmidt-Ott Courtesy: Challery

Michael Schmidt-Ott
Courtesy: Challery

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Challery – was muss man sich darunter vorstellen?

Die Challery ist eine reine Charity Gallery – daher auch der Name, in dem beide Ursprungswörter miteinander verschmelzen. Alle Werke, die in der Challery gezeigt und zum Verkauf angeboten werden, wurden von renommierten KünstlerInnen aus dem In- und Ausland gespendet. Der Erlös kommt zu 100 Prozent wechselnden karitativen Einrichtungen zugute. Begünstigt war unter anderem bereits die Erdbebenopferhilfe für Nepal. Im August und September geht die Spende an das CS Hospiz Rennweg in Wien, in dem todkranke Menschen gepflegt werden. Mit dem Geld wird der Umbau der Mehrbett- in Einzelzimmer mitfinanziert, damit die Hospiz-Patienten ihre letzten Tage in Würde und familiärer Intimität verbringen können. Mit dem Konzept „100 % Kunst, 100 % Spende“ ist die Challery die erste und einzige Charity Gallery in Österreich, wahrscheinlich sogar im gesamten deutschsprachigen Raum.

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Wie funktioniert die Challery im Detail? 

Die Challery ist als Pop-up-Galerie angelegt. Wir beziehen temporär geeignete Räumlichkeiten in der Wiener Innenstadt, die uns von FreundInnen und FörderInnen des Projektes kostenlos zur Verfügung gestellt werden – wie derzeit etwa von Melitta Becker-Unger und Walter Unger von Meistermöbel. Seit Juni darf die Challery den ersten Stock ihres wunderschönen „Wohnsalon“ in der Schwertgasse 4 im Ersten Bezirk bespielen. Die Kunstwerke gehen dabei eine wunderbare Symbiose mit den im Showroom ausgestellten Möbeln und Designobjekten ein.

Kurz gesagt: Es geht darum, die Fixkosten möglichst bei Null zu halten, damit der Spendenerlös für den guten Zweck nicht geschmälert wird. Deshalb macht auch jede(r), der bei der Challery mitarbeitet, das auch ehrenamtlich. Das fängt bei den großartigen KünstlerInnen an, die ihre Werke stiften, geht über die Helfer weiter, die sich gratis als Aufsichts- und Verkaufspersonal engagieren oder Presse- und Öffentlichkeitsarbeit betreiben, setzt sich bei den Vortragenden, Performancekünstlerinnen und Diskutanten fort, die bei den regelmäßig stattfindenden Kultur-Events in der Challery auftreten, um immer neue Leute herzubringen, und endet schließlich bei den SponsorInnen, die sich etwa um das Catering oder die Technik bei Events kümmern.

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Was gibt es derzeit in der Challery zu sehen und ist für den guten Zweck zu erwerben? 

Die Verkaufsausstellung wechselt ständig, Werke werden verkauft, neue gespendet. Das Spektrum reicht von Malerei über Skulptur bis hin zu Fotografie und Videokunst. Derzeit (Stand: 1. August 2015) zeigt die Challery 45 Kunstwerke von 40 renommierten KünstlerInnen aus 12 Nationen – darunter Arbeiten von sieben Akademie-ProfessorInnen, wie Adelheid Mers etwa, Professorin in Chicago, die zusammen mit Tony Cragg und Günther Uecker studiert hat, oder Via Lewandowsky, Professor an der UDK in Berlin.

Weitere bekannte Namen sind Sabine Groschup, sie hat bei Maria Lassnig und Nam June Paik studiert, Catharina Shamugia, die bei Tal R und A.R. Penck als Meisterschülerin abschloss oder Clemens Behr, der gerade für eine einjährige Residency in San Francisco ist.

Alle Arbeiten können hier angesehen werden!

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Ausstellungsansicht der Challery im Wohnsalon Courtesy: Challery

Ausstellungsansicht der Challery im Wohnsalon
Courtesy: Challery

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Kunst kaufen, Gutes tun – was bedeutet der Charity-Aspekt für die KäuferInnen noch? 

Neben dem guten Gefühl, mit seinem Kauf etwas bewegt zu haben, ist das Werk daheim an der Wand natürlich ein tägliche, schöne Erinnerung daran, Teil des Projektes zu sein. Es macht daher doppelt Freude. Aber natürlich gibt es da auch monetäre Aspekte: In der Challery lassen sich echte „Schnäppchen“ machen. Die Preise für die gestifteten Kunstwerke, die in der Challery verkauft werden, sind mit den KünstlerInnen abgesprochen. Weil niemand daran etwas verdient – außer dem guten Zweck – und ja viel Spendengeld zusammenkommen soll, kann die Challery die Werke zu deutlich besseren Konditionen anbieten als am regulären Kunstmarkt. Die Preise bei und liegen zwischen 20 und 50% des offiziellen Galeriepreises.

Weiters erhalten die KäuferInnen noch eine Spendenbescheinigung über 50% des Kaufpreises, die sie steuerlich absetzen können.

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Mal ganz unabhängig vom guten Zweck – wie unterscheidet sich die Challery noch von einer regulären Galerie? 

Erstens würde eine reguläre Galerie vermutlich selten so viele unterschiedliche Werke von so vielen unterschiedlichen KünstlerInnen zeigen wie es die Challery macht.

Zweitens zeigt die Challery einen Ausschnitt aus dem gesamten Spektrum Zeitgenössischen Kunstschaffens. Wir haben Fotografie, Malerei, Lithographie, Skulptur, Zeichnung, Videoinstallationen… Man könnte sagen, dass die Challery so etwas wie ein Mini-Museum für Zeitgenössische Kunst auf Zeit  ist. Ich würde mich freuen, wenn die Leute herkommen und sich einfach mal umschauen, um zu sehen wie vielfältig der Markt für Zeitgenössische Kunst ist.

Drittens präsentieren wir die Werke nicht im White Cube, sondern im Wohnsalon und damit quasi in Wohnzimmer-Atmosphäre: Hier stehen Möbel, es gibt ein Bett, einen Esstisch und eine Couch… So wird die Hemmschwelle, wie sie das Betreten einer Galerie oft setzt, sehr niedrig gehalten, die Angst vor einer Begegnung mit der Kunst genommen. Wir zeigen zudem, wie Kunst im Wohnkontext wirkt, das Wohnen bereichert. Denn daheim hängt ein Werk ja auch nicht in einem leeren, weißen Raum, sondern in einem Zimmer, in dem man lebt und liebt.

Doch natürlich ist und bleibt der größte Unterschied zu anderen Galerien der Charity-Aspekt.

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Wie sind die ersten Reaktionen jener, die zum ersten Mal in die Challery kommen? 

Sehr positiv. Mit der jetzigen Location im ersten Stock haben wir weniger Laufkundschaft und müssen über Events wie Diskussionen zum Thema „Quo vadis Kunstmarkt?“ versuchen, immer neues Publikum für einen Erstkontakt herzubringen. Doch das klappt sehr gut. Zur Vernissage sind hundert Leute gekommen. Das hat mich wahnsinnig gefreut! Der Name „Challery – Austria’s first Charity Gallery“ ist für den Außenauftritt dabei sehr wichtig, denn er macht neugierig und erklärt auch schon das einmalige Konzept.

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Ausstellungsansicht der Challery im Wohnsalon Courtesy: Challery

Ausstellungsansicht der Challery im Wohnsalon
Courtesy: Challery

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Welche Erfolge konntest du in den letzten Monaten mit der Challery erzielen?

Die Challery gibt es nun seit Mitte April 2015. Bis Ende Juli wurden 11 Kunstwerke verkauft. So sind pro Woche rund EUR 1.000,– für den guten Zweck zusammengekommen, die gespendet werden konnten. Der Gesamterlös liegt aktuell bei rund EUR 12.000,–.

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Die KünstlerInnen spenden ihre Werke – und ohne die KünstlerInnen und Kunst ginge es nicht. Gibt es dennoch Kriterien, nach denen du die KünstlerInnen auswählst, mit denen du arbeitest? 

Die Verkaufsaufstellung in der Challery ist kein Zufall, sondern eine kuratierte. Alle Künstler, die ich in der Challery zeige, kenne ich persönlich, ich habe sie in ihren Ateliers aufgesucht, mich lange mit ihnen beschäftigt und unterhalten. Bei der Auswahl der Werke achte ich sehr auf Qualität. Aktuell habe ich auch viele Arbeiten von ProfessorInnen verschiedener Akademien dabei. Aber natürlich müssen sich die Werke auch gut verkaufen lassen, „Kunstmarktkunst“ sein. Denn so sehr ich mich auch über jede Spende freue: Ein gewisser ästhetischer Anspruch ist wichtig und auch ein roter Faden muss sich durchziehen.

Abgesehen vom karitativen Gedanken ist für viele KünstlerInnen die Möglichkeit in Wien ausgestellt zu sein und sich einem neuen Publikum zu präsentieren, ein Anreiz bei der Challery mitzumachen. Denn viele Challery-KünstlerInnen sind vor Ort nicht in einer Galerie vertreten. Daher bieten wir auch eine interessante Plattform. Und natürlich ist das breite Medienecho, das ein Charity-Projekt anders als eine Galerie generieren kann, auch eine schöne Form der Öffentlichkeit.

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Wie genau ist das Projekt Challery entstanden? 

Ein Bekannter von mir hatte ein leerstehendes Einzelhandelsgeschäft in Wien und fragte mich, ob ich einen potentiellen Interessenten kenne. Und ich habe „Hier!“ geschrien. Ich wusste nicht genau, was ich da machen würde, nur, dass ich meinen Beruf als Kunstvermittler und -berater mit meiner Tätigkeit als Fundraiser für karitative Projekte verbinden will. Innerhalb kürzester Zeit wurden dann das Konzept und der Name der Challery geboren und zehn Tage später hat „Austria’s first Charity Gallery“ eröffnet.

Mein Netzwerk, dass ich mir über die Jahre durch die Kuration und Organisation von kuratierten Benefiz-Kunstauktionen aufgebaut habe, war dabei natürlich hilfreich. Dennoch kann ich nur immer wieder betonen, wie dankbar ich den KünstlerInnen für ihr Engagement und ihr Vertrauen bin, die mir ihre Werke fast schon spontan zur Verfügung stellten, als sie von der Idee der Challery hörten.

Ursprünglich war das Projekt auf die Dauer von acht Wochen angelegt – solange konnten wir das Ladenlokal in der Jordangasse bespielen. Es war ein Versuchsballon, niemand konnte wissen, ob eine Charity Gallery angenommen wird. Zumal der Raum nicht ganz optimal war. Die wenige Wandfläche zwang zu einer St. Petersburger Hängung, auch in die Schaufenster mussten wir aus Platzgründen Bilder hängen. Doch genau dies – und der Schriftzug „Challery – Charity Gallery“ auf der Scheibe – hat die Leute wohl neugierig gemacht. Schon in Woche eins haben wir ein Werk verkauft. Und bald war uns klar: Die Challery darf nicht sterben. Wir machten uns auf die Suche nach einer neuen Location, um das Projekt fortzuführen, das von allen Seiten – ob von KünstlerInnen, KäuferInnen oder Medien – so gut angenommen wurde.

Die Suche nach neuen kostenlosen Ausstellungsräumen gestaltete sich allerdings schwierig. Das Werben bei Maklern und Leerstandsvermittlern brachte nicht viel. Dann bekam ich den Wohnsalon angeboten. Die Betreiber hatten das Projekt auf Facebook entdeckt und mir ihre erste Etage, die sie eigentlich als Showroom für ihr Möbelgeschäft dient, angeboten. Und die Kombination von Möbeln, Design und Kunst funktioniert wunderbar.

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Bis Ende September ist die Challery im Wohnsalon zu finden. Geht es danach weiter und wenn ja, wie? 

Wir hoffen natürlich, dass es so weiter geht. Das erfordert aber nicht nur, dass wir immer mehr neue Leute von der Existenz der Challery erfahren, diese News weitertragen und auch vorbeikommen. Wir brauchen ab dem Spätherbst auch eine neue Location, damit das Projekt weitergehen kann. Daran hängt eigentlich alles. Denn es mangelt weder an Künstlerinnen, noch HelferInnen oder KäuferInnen, die sich engagieren möchten – tausend Dank an dieser Stelle an sie für ihr großartiges Engagement!  Es fehlt nur immer an geeigneten Räumlichkeiten. Wer dazu eine Idee hat, bitte bei der Challery melden! Die Challery ist auch nicht an Wien gebunden. Auch andere Städte wären denkbar. Ein Käufer wollte uns schon mit nach Berlin nehmen.

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Ausstellungsansicht der Challery im Wohnsalon Courtesy: Challery

Ausstellungsansicht der Challery im Wohnsalon
Courtesy: Challery

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Wenn die Locationfrage gelöst ist, was ist dann für die Zukunft geplant?

Die Challery soll natürlich weiterlaufen, Gespräche für Sonderausstellungen mit Künstlergruppen aus Deutschland laufen bereits.

Wir würden zudem gern ein Projekt mit einer NGO umsetzen, die sich für Flüchtlinge engagiert. Natürlich sind da noch viele Fragen zu klären und vor allem bürokratische Hürden zu nehmen. Angedacht ist aber, dass Flüchtlinge, die in ihrer Heimat als KünstlerInnen tätig waren, die Möglichkeit erhalten, kreativ zu arbeiten. Die Werke sollen dann zugunsten der NGO und Flüchtlingshilfe verkauft werden. Dafür gilt es einen Raum und Arbeitsmaterial zur Verfügung zu stellen. Auch Kunst-Workshops für Flüchtlingskinder sind angedacht. Einige heimische KünstlerInnen haben sich schon bereiterklärt, da mitzuwirken.

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Tatsächlich ist die Challery nicht dein erstes Charity-Projekt. Es gab bereits im Vorfeld große Benefiz-Kunstauktionen – etwa in Zusammenarbeit mit Sotheby’s –, bei denen du immense Summen für den guten Zweck einbringen konntest. Gab es eine Art auslösendes Moment für deine Charity-Tätigkeit? 

Als ich aus Deutschland vor 15 Jahren zum Studium nach Wien gekommen bin, habe ich das Projekt „Louise-Bus“ kennengelernt, der ehrenamtlich die mobile, medizinische Betreuung von Obdachlosen sicherstellt. Dreimal täglich steht der Bus an verschiedenen Stellen in Wien, das Team behandelt anonym und kostenlos Obdachlose. Es gibt den Bus inzwischen seit über 20 Jahren, in dieser Zeit wurden knapp Zehntausend Patienten behandelt. In den letzten Jahren nehmen die Zahlen stark zu, weil es nicht nur immer mehr Obdachlose, sondern auch zahlreiche Flüchtlinge gibt, die eine Behandlung benötigen.

Ich bin, seit ich vom Louise-Bus erfahren habe, alle zwei Wochen als Hilfskraft dabei und habe das Projekt später dann auch durch Fundraising-Aktionen mehrfach unterstützt. Dieses Projekt erdet mich immer wieder und zeigt mir auch die Realität, die vor unserer Haustüre herrscht.

Die Sache mit den von mir organisierten und kuratierten Benefiz-Kunstauktionen zugunsten des CS Hospiz am Rennweg hat sich dann eher zufällig entwickelt. Vor Jahren habe ich mit einer Freundin ihre Tante im Hospiz besucht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie ein Hospiz von innen gesehen. Als ich ankam wurde gerade Theater gespielt, in der Cafeteria tummelten sich viele Leute. Das hatte ich nicht erwartet. Die Menschen waren alle sehr lebensbejahend, obwohl sie wussten, dass sie nicht mehr lange auf dieser Welt weilen … Nach meinem Besuch habe ich dann zufällig die Leiterin der Öffentlichkeitsabteilung kennengelernt und wir haben uns untererhalten. Dabei habe ich erfahren, dass Hospize in Österreich nicht vom Staat gefördert werden, sondern sich über Spenden finanzieren. Das war die Initialzündung meiner ersten Benefiz-Auktion.

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Du hättest die Möglichkeiten gehabt, mit Charity-Veranstaltungen diversester Art Spendengelder zu sammeln. Warum hast du dich bewusst für die Verbindung von Benefiz und Zeitgenössischer Kunst entschieden?

Zeitgenössische Kunst ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich brauche sie, wie die Luft zum atmen. Außerdem lag es nahe, meinen Beruf als Kunstberater und mein über Jahre aufgebautes Netzwerk für Charity-Projekte zu nutzen. Natürlich könnte ich auch ein Benefizkonzert organisieren, ein Spenden-Dinner oder andere Events. Aber Charity ist etwas, was man mit vollem Herzen betreiben muss. Es kostet viel Zeit, Mühe und Energie, Spenden zu sammeln. Und ich habe gelernt: Ich bin am überzeugendsten und kann Menschen am besten helfen, wenn ich für etwas brenne, meine Leidenschaften einbringen. Und das ist die Verbindung von Kunst und Charity.

Zudem ist Kunst einfach auch ein gutes Medium, um Gutes zu tun, etwas zu bewegen: Viele KünstlerInnen haben einen Zugang zu sozialen Themen, karitativen Einrichtungen, wollen sich engagieren. Und das Hospiz ist ein Thema, mit dem sich viele irgendwie identifizieren können – auch die KäuferInnen natürlich.

Man darf auch nicht vergessen, dass Kunst auch ein emotionales Medium ist, das daher auch gut zu emotionalen Themen wie Benefiz passt. Außerdem finde ich es schön, dass Menschen, die Geld in die Hand nehmen, um etwa ein Hospiz zu unterstützen, dafür nicht nur eine Spendenquittung erhalten, sondern ein Kunstwerk, das ihnen Freude bereitet. So haben alle Seiten etwas davon. Übrigens auch die KünstlerInnen, denn man darf nicht unterschätzen, welche Multiplikator-Kraft es hat, wenn KäuferInnen etwa ihren Freunden die Geschichte erzählen, die hinter einem Kunstwerk steht, das bei ihnen an der Wand hängt.

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Wie bist du in deinem Leben erstmals mit Kunst in Berührung gekommen? 

Sonntag war bei uns in der Familie Museumstag. Meine Eltern haben mich immer mitgenommen in Ausstellungen. Früher mussten sie mich noch mit dem anschließenden McDonalds-Besuch locken, doch seit ich zehn bin, gehe ich auch ohne Burger-Anreiz sehr begeistert in Museen – bis heute. Wir waren auch viel in Galerien oder auf Kunstmessen unterwegs. Seit 30 Jahren fahre ich jetzt schon zur TEFAF nach Maastricht und auch auf der Art Cologne bin ich, seit ich laufen kann – wobei ich vermutlich schon im Kinderwagen über die Messe geschoben wurde. Kurz: Kunst war einfach immer ein Bestandteil des Familienlebens.

Meine Großeltern und meine Eltern haben auch immer gesammelt. Sie haben die Werke aber nicht vor uns Kindern „in Sicherheit“ gebracht, sondern fanden, Kunst sei etwas zum Anfassen. Meine Großmutter z.B. hatte eine große Holzskulptur mit einer kleinen Ausbuchtung. Als kleiner Junge saß ich da immer drauf. Das hat meine Tante immer furchtbar echauffiert, doch meine Oma sagte: „Ich umarme die Skulptur jeden Morgen, also kann er auch darin sitzen.“ Klar, im Museum darf man die Dinge nicht anfassen. Doch ich finde es schön, wenn die Leute die Arbeiten spüren können. Kunst hat auch viel mit Emotionen zu tun.

// Interview von Sabrina Möller

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CHALLERY

Die Challery im Wohnsalon ist Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet

Ort (bis Ende September): Wohnsalon, Schwertgasse 4, 1. Stock, 1010 Wien

Mehr unter: www.challery.net

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Nächstes Challery-Event

Vortrag von Alexander Teissig*
zum Thema „Kunstfälschungen“
20. August 2015, 19.30 Uhr

* 1963, lebt und arbeitet in Wien, seit seinem 16. Lebensjahr Sammler und Kaufmann. Ausstellungsmacher in privaten Häusern, sowie im Wittgenstein Haus und in der Portfolio Kunst AG. Danach 6 Jahre im Ausland tätig (Portugal). Berater im Think Tank des Joao Manuel Durao Barroso. Zurück in Wien, 6 Jahre Tätigkeit im Kunsthandel, insbesondere mit zeitgenössischer Kunst. Zur Zeit Geschäftsführer in beratender und kaufmännischer Funktion in einem Kunsthandelsunternehmen.