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Der Sommer neigt sich dem Ende zu und mit ihm auch das Sommerloch. Neben dem ein oder anderen Ausstellungshighlight in den Wiener Kunsträumen, geht das Galerienprojekt curated_by in die mittlerweile siebte Runde – und auch die viennacontemporary öffnet (heuer zum ersten Mal) ihre Türen …

Unter dem Motto Tomorrow Today präsentieren sich 20 Wiener Galerien einmal mehr von ihrer besten Seite. Impulsgeber für das Projekt war diesmal der Philosoph und Literaturwissenschaftler Armen Avanessian, der sich in seinem titelgebenden Essay mit künstlerischen Strategien für eine post-kapitalistische Ära beschäftigt. Das Resultat dieses Experiments lässt sich blicken und vereint große Künstlernamen wie u. a. Kader Attia und Andy Warhol (Galerie Krinzinger), VALIE EXPORT und Markus Schinwald (Charim Galerie) sowie aufsteigende KünstlerInnen wie Maja Čule und Richard Nikl (Andreas Huber) miteinander.

Die Ausstellung body interference im Künstlerhaus Wien ist Teil des internationalen Projekts „the body series”, das 2013 mit einer Ausstellung im St. John’s College (Oxford/UK) initiiert wurde. Gezeigt werden fünf Arbeiten von KünstlerInnen, die mit dem Medium des Videos den Versuch unternehmen, die Grenzen des Körpers in seiner Beziehung zur Welt zu erforschen. Gemeinsam ist den gezeigten Werken, dass das Bild des Körpers eine vermittelnde Funktion einnimmt und als solche Assoziationen zwischen Individuum und Macht (Anna Jermolaewa), Individuum und Individuum (Elisabetta Di Sopra), Individuum und audiovisueller Wahrnehmung (Hofstetter Kurt und Barbara Doser) oder zwischen Individuum und Raum (Peter Weibel) hervorruft.

Wie auch seine Vorgänger erhielt der österreichische Künstler Constantin Luser Carte Blanche für seine Interpretation des umfangreichen, von Hofstätter Projekte vorgegebenen Themas ALL ART HAS BEEN CONTEMPORARY (Maurizio Nannucci). Neben einer Auswahl seiner Arbeiten auf Papier und Aluminium werden auch die eigens für Das Neuste wird das Älteste sein konzipierten Skulpturen präsentiert: Lusers Drahtskulpturen, die eine räumliche Umsetzung seiner Arbeit darstellen, waren ursprünglich Fortführungen seiner zweidimensionalen, zeichnerischen Arbeiten und haben sich mit der Zeit zu selbständigen „Raumzeichnungen“ entwickelt. Im Rahmen der Ausstellung erweitert der Künstler seine Skulpturen allerdings noch um eine weitere Facette und integriert Objekte aus der Sammlung Hofstätter (z.B. Fragmente einer Barockskulptur oder einer Klarinette) in sein Werk und vereint so Altes mit Neuem. Die Ausstellung kann bis Ende Oktober besucht werden.

Von 22. September bis 8. Oktober können in der Galerie Im Ersten Arbeiten des Künstlerduos Graulicht (August Kocherscheidt & Rupert Zallmann) bewundert werden. Das Duo experimentiert bereits seit 10 Jahren mit Beton und hebt das formbare Moment der Flüssigkeit hervor, indem verdeutlicht wird, dass die Masse nicht immer in rechteckige Schalungen gezwängt werden muss. Für OUT OF THE WOODS hat Graulicht diesmal Textilbeton in die Natur gebracht und der Landschaft angepasst. Das Ergebnis dieses Experiments sind sechs zu Möbeln umgearbeitete Objekte, die im Rahmen der Ausstellung erstmals präsentiert – und erprobt werden können.

Mit einem Fokus auf zeitgenössische Kunst aus Mittel- und Osteuropa,  öffnet die viennacontemporary von 24. bis 27. September ihre Türen. Die historische Schmiedeeisenkonstruktion der Marx Halle wird dabei nicht nur zahlreichen österreichischen Galerien (Martin Janda, Thaddäus Ropac, Galerie Steinek, Kerstin Engholm, Hubert Winter, u.a.), sondern auch internationalen Galerien aus insgesamt 25 Ländern die Gelegenheit geben, sich am Wiener Kunstmarkt zu behaupten. Das von Christina Steinbrecher-Pfandt, Nicolaus Schafhausen und Vanessa Joan Müller ko-kuratierte Rahmenprogramm soll unter dem Motto „Keys to Contemporary Art“ allen interessierten MessebesucherInnen die Möglichkeit bieten, ihr Wissen über zeitgenössische Kunst zu vertiefen und mehr über bedeutende Kunstsammlungen zu erfahren: der Bogen der Diskussionen spannt sich dabei von der beginnenden Wiederentdeckung der Avantgardebewegungen in Osteuropa über Einflussmöglichkeiten zeitgenössischer gesellschaftskritischer Kunst bis hin zu den Konzepten der Vermittlung zeitgenössischer Kunst in Museen und Kunsthallen.

// Fanny Hauser