Christian Frosch
ohne Titel, 2004             
Acrylfarbe, Herstellereimer; 
16x26x18cm, auf Sockel ca 112x30x30 cm
Courtesy: The Artist und Galerie Peithner-Lichtenfels

 

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten sich an das Thema Malerei im 21. Jahrhundert heranzutasten: bei Christian Frosch stand am Beginn das Sammeln und Archivieren von Gegenständen aus dem Alltag eines Malers. Heute betreibt er Malereiforschung. Sabrina Möller sprach anlässlich seiner kommenden Ausstellung in der Galerie Peithner-Lichtenfels mit Frosch über seinen Umgang mit Malerei …

 

Christian Frosch oben / unten  # 25, 2005 Ölfarbe, Holz, 2 teilig, je 6 x 20 x 20 cm, im Plexirahmen   Courtesy: The Artist und Galerie Peithner-Lichtenfels

Christian Frosch
Oben / Unten # 25, 2005
Ölfarbe, Holz, 2-teilig, je 6 x 20 x 20 cm, im Plexirahmen
Courtesy: The Artist und Galerie Peithner-Lichtenfels

Die Malerei wurde immer wieder totgesagt. Während Ihres Studiums war dieses Thema ein sehr großes. Wie sind Sie damit umgegangen?

Tatsächlich wurden in den neunziger Jahren an den Akademien in Düsseldorf und München, wo ich studiert habe, diese Rufe immer wieder laut. Damals habe ich das neutral aufgenommen und mir gedacht: Wenn die Malerei tot ist, muss sie archiviert werden. Dennoch habe ich die Meinung, dass die Malerei tot sei, weder damals noch heute geteilt. Aber dieser Slogan und der Ruf haben mich interessiert.

Ein Medium mit einer so langen Geschichte als tot zu deklarieren löst nicht nur kontroverse Diskussionen aus, sondern ruft auch dazu auf, das Gegenteil zu beweisen. Sie haben sich stattdessen entschieden die Malerei zu archivieren.

Über diesen Umweg wollte ich zeigen, dass sie nicht tot ist. Warum ich mich für diesen Weg entschieden habe kann ich heute nicht erklären. Denn zu dieser Zeit habe ich bereits Arbeiten gemacht, die über die Malerei hinausgegangen sind: reliefartige Arbeiten, die die Grundlagen der Malerei mit Keilrahmen und Stoffen verzogen haben. Für mich war es leichter über die Installationen dieser Frage nachzugehen.

Was würden Sie heute einer Person, die den Tod der Malerei behauptet, entgegensetzen?

Jedes Mal, wenn dieser Ruf wieder laut wurde, ist die Malerei gestärkt daraus hervorgegangen. In den achtziger Jahren gab es zuerst die Jungen Wilden, nachdem sie totgesagt wurden kam die Leipziger Schule. Um so mehr das Medium in Frage gestellt wurde, umso vehementer wurde es transportiert.

Doch natürlich hat sich durch die neuen Medien alles etwas verschoben. Die Malerei hat nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal. Wer heute malt, muss sich daher klarer denn je zuvor fragen, warum er malt. Das muss aber kein Nachteil sein.

Ausgehend von diesem Ruf haben Sie APSM – die Anatomisch-Phathologische Sammlung Malerei gegründet. Wie kam es dazu?

Im Prinzip war es eine Art Bestandsaufnahme. In Gläsern habe ich alles gesammelt und archiviert, was im weitesten Sinne mit Malerei zu tun hat. Sowohl das Handwerkliche wie auch die Rezeption, Vermarktung und Publikationen. Ich habe einen Art Cologne Katalog in Öl eingelegt, ebenso wie Zigarettenkippen aus den Studentenateliers und auch das Material für Eitempera habe ich archiviert.

 

Christian Frosch ohne Titel, 2004              Acrylfarbe, Herstellereimer;  16x26x18cm, auf Sockel ca 112x30x30 cm Courtesy: The Artist und Galerie Peithner-Lichtenfels

Christian Frosch
ohne Titel, 2004
Acrylfarbe, Herstellereimer, 16 x 26 x 18cm, auf Sockel ca. 112 x 30 x 30 cm
Courtesy: The Artist und Galerie Peithner-Lichtenfels

Nach welchen Kriterien sammelten Sie die Objekte?

Das war eher ein subjektives Sammeln aus der klassischen Malereiausbildung heraus. Dabei habe ich mit allen Klischees gespielt. Es war eine Art Wunderkammer.

Sammler, Archivar und Pfleger zugleich.

Es gab sogar einen Gründungstext dazu, einen Museumsshop und einen Förderverein mit Jahresgaben – natürlich im kleinsten Rahmen.

Eine weitere Gründung von Ihnen ist das Material Labor Museum, in dem Sie Farbe als Material intensiver untersuchen. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Zwischen der Sammlung APSM und dem Material Labor Museum 2008 war ein riesiger Schritt, denn die Sammlung war 2000 für mich beendet. Zu der Zeit habe ich schon mit Arbeiten begonnen, die sich mit Farb- und Materialgrundlagen beschäftigten. Die Entwicklung ging also vom Archivieren zum Untersuchen. In diesem Zusammenhang entstand dann auch der Arbeitsbegriff Malereiforschung.

Die ersten Versuchsanordnungen waren einfache Arbeitsvorgänge im Atelier. Basics. Im Rahmen der Ausstellung Atelier Labor Museum in München habe ich eine größere Rauminstallation gebaut, die drei Ateliersituationen aus dem Zeitraum von 10 Jahren gezeigt hat – ähnlich wie in einem Heimatmuseum. Man hätte theoretisch direkt darin arbeiten können: der Arbeitsvorgang wurde gezeigt, nur der Künstler war nicht da.

 

Christian Frosch panta rhei #11, 2010 Mischtechnik in Plexikasten,  34 x 35 x 38cm Courtesy: The Artist und Galerie Peithner-Lichtenfels

Christian Frosch
Panta Rhei #11, 2010
Mischtechnik in Plexikasten, 34 x 35 x 38cm
Courtesy: The Artist und Galerie Peithner-Lichtenfels

Experimentelle Versuche sind charakteristisch für Ihre Arbeiten. Wie etwa Panta Rhei: ein Plastikbecher voller Lack, der durch die chemische Interaktion mit dem Lack selber zum Umkippen gebracht wird. Worum geht es Ihnen auf inhaltlicher Ebene in Arbeiten wie diesen?

Die meisten Arbeiten entstehen aus Ateliersituationen heraus: meistens sind es kleine vermeintliche Fehler. So auch bei Panta Rhei: zuvor habe ich eine Arbeit gemacht, die mit Bootslack produziert wurde. Die Farbe habe ich dabei immer mit Plastikbechern abgemessen und festgestellt, dass die im Bootslack enthaltenen Lösungsmittel das Plastik so angreifen, dass der Becher zum Kippen kommt.

Oft ist es das Zusammenspiel einer Versuchsanordnung bzw. einer konzeptionellen Anordnung, die ein sinnliches oder haptisches Ergebnis produziert. Das ist ein Prinzip meiner Arbeiten: Das Bild malt sich selber.

Zeit ist also ein essentieller Faktor Ihrer Arbeiten…

Zeit ist ein großer Faktor! Anfang der 2000er Jahre hatte ich einen dreimonatigen Arbeitsaufenthalt in der Villa Romana und habe dort eine Arbeit gemacht, die über 40 Tage hinweg angeordnet war. Dadurch sind diese zeitlichen Faktoren zunehmend wichtig geworden.

… und Zufall!

Im Prinzip stecke ich den Rahmen ab, in dem sich das Bild bewegen kann, aber ich ziehe mich selbst zunehmend früh raus.

Wie funktioniert das Modell Toplac, das Sie in Ihrer kommenden Ausstellung in der Galerie Peithner-Lichtenfels zeigen werden?

Ich entscheide immer erst vor Ort beim Aufbau, was ich zeigen werden. Daher ist die Ausstellung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fertig. Doch es wird eine Art Kabinett mit Arbeiten, die starke Bezüge untereinander aufweisen. Insgesamt werden es etwa fünf Serien sein, von denen Toplac eine ist.

Toplac besteht aus Platten mit Farbe, die zunächst aneinander gepresst und dann auseinander gezogen werden. Ursprünglich habe ich diese Arbeiten mit Ölfarbe gemacht: da entstanden zackenähnliche Gebilde. Nun verwende ich Bootslack, wodurch sich viel subtiler feine Tropfen bilden. Entstanden ist die Idee dieses Vorganges ebenfalls durch einen handwerklichen Fehler im Atelier, den vermutlich Jeder kennt: nasse Leinwände mit Ölfarbe, die versehentlich aneinander gepresst wurden und die man dann wieder auseinander zieht.

Christian Frosch Courtesy: The Artist und Galerie Peithner-Lichtenfels

Christian Frosch
Courtesy: The Artist und Galerie Peithner-Lichtenfels

Der Bootslack als Material taucht immer wieder auf. Was ist das Besondere an diesem Material?

Da gibt es mehrere Aspekte. Tatsächlich findet man im Baumarkt kaum mehr einen Lack, der so stark lösungsmittelhaltig ist, dass er einen Plastikbecher angreifen würde. Bootslack ist einfach giftiger. Die Idee dazu kam mir während eines Arbeitsstipendiums auf den Kanalinseln Guernsey. Denn auf einer Insel im Baumarkt ist Bootslack das logische Material.

Was erwartet uns in Ihrer kommenden Ausstellung in der Galerie Peithner-Lichtenfels?

Ich möchte den Arbeitstitel Malereiforschung sichtbar machen, indem ich verschiedene Stränge aufzeige, die wiederum untereinander auf sich verweisen.

Vielen Dank!

// Interview von Sabrina Möller

CHRISTIAN FROSCH

Eröffnung: 08. September 2015 ab 19.00 Uhr

Ausstellungsdauer:  9. September – 15. Oktober 2015

GPLcontemporary, Sonnenfelsgasse 6, A-1010 Wien

Mehr unter www.peithner-lichtenfels.at