P/ART producers artfair, Innenansicht2 ehemaliges Kraftwerk Bille © P:ART

 

Die P/ART producers artfair in Hamburg geht vom 24. – 27. September 2015 in die dritte Runde. Jährlich wechselt das Team die Location – in diesem Jahr findet das Format im ehemaligen Kraftwerk Bille in Hammerbrook statt. Doch das ist nicht die einzige Neuerung des spannenden Formates, bei dem man Galeristen nur unter den Besuchern findet. Sabrina Möller sprach mit Justus Duhnkrack von der P/ART über das Konzept, den dazugehörigen Markt und Herausforderungen … 

 

P/ART producers artfair, Innenansicht ehemaliges Kraftwerk Bille © P/ART

P/ART producers artfair, Innenansicht ehemaliges Kraftwerk Bille © P/ART

Mit der P/ART Producers Artfair in Hamburg habt ihr ein Messeformat entwickelt, bei dem der Künstler nicht nur im Mittelpunkt steht, sondern das völlig unabhängig von Galerien funktioniert. Gab es eine Art Ursprungsmoment, der euch angetrieben hat, die Produzentengalerie der 70er Jahre weiterzuentwickeln? 

Für die Formierung des Teams war der Auslöser die gleichzeitige Zusammenarbeit einiger von uns in einem Museum. Danach hat es sich langsam vergrößert – je nachdem welche Kompetenz nötig wurde. 

Die eigentliche Idee einer Produzentenmesse, die auf dem Konzept der Produzentengalerien aufbaut, ist eher ein Ergebnis aus dem, was wir als Bedürfnis der Kunstrezeption wahrnehmen. Uns ist dabei die Authentizität und Diskursorientierung wichtig. Kunst ist in erster Linie Kommunikation und diese Kommunikation sollte nicht durch Filter, Meinungsmacher oder Schwellenängste prädeterminiert sein, sondern offen und unmittelbar geführt werden. Unmittelbar meint die entscheidenden Akteure zusammenzubringen: den Künstler als Produzenten und den Besucher als Rezipienten. So kann ein Diskurs entstehen, der sich loslöst von den immer gleichen Dynamiken, die die Massenwahrnehmung bestimmen.

Das Potential in einer Produzenten Kunstmesse sehen wir vor allem in der Kombination des Ausstellungs- und des Messecharakters. Die Messe als solche ist im Kern nur eine Handelsplattform, die Angebot und Nachfrage zusammenbringt. Darüber wollen wir natürlich hinausgehen und die Möglichkeit der Handelsplattform mit dem Potential einer temporären Ausstellung kombinieren. Auf diese Weise erhoffen wir uns aus beiden Formaten die besten Eigenschaften zusammenzubringen.

Der Kunstmarkt ist derzeit von einer gewissen Schizophrenie geprägt: Der Kunst geht es besser denn je und der Kunst geht es schlechter denn je. Während der Auktionsmarkt zunehmend explodiert und ständig neue Preisrekorde erzielt werden, schließen immer mehr etablierte Galerien und es eröffnen immer weniger neue bzw. weniger klassische Modelle und eher Pop-Up Galerien. Wie beurteilt ihr diese Tendenzen? Hat das System Galerie in Zukunft ausgedient? 

Die Fixkosten jeder Ausstellungsfläche sind natürlich die größte finanzielle Last, die schwer zu bewältigen ist, wenn Programm und nicht Verkauf im Vordergrund steht. Auch gibt es auf dem internationalen Kunstmarkt immer noch eine Verschiebung zugunsten des Sekundärmarktes in Form von Auktionen etc. Anstatt eines Sammelguts, welches seinen Wert durch das Haben erlangt, wird Kunst nach wie vor meist vor dem Hintergrund der Wertsteigerung als Investitionsgut „verbraucht“. Natürlich macht der internationalen Kunstmarkt, der astronomische Preise erzielt den Großteil des Marktvolumens aus, wird gleichzeitig aber von sehr wenigen Teilnehmern bestimmt. Der „lokale“ Kunstmarkt Deutschland hat damit nur noch peripher etwas zu tun.

Das System Galerie wird es dementsprechend auch immer geben, denn letztlich ist es eine Vertrauensbeziehung des Galeristen zum Künstler und zum Käufer, egal in welcher Ausprägung. Die Frage ist eher, von welchen Voraussetzungen diese Vertrauensbeziehung geprägt ist. 

Wie sinnvoll ist es, wenn ein Künstler im Rahmen einer Messe zugleich Künstler, Kurator, Verkäufer und Vermarkter ist? Welche Herausforderungen und Schwierigkeiten sind damit verbunden? 

Natürlich müssen Künstler sich allem voran um ihre Arbeiten kümmern und im Regelfall fällt alles was die Verwertung angeht sehr schwer und wird als störend empfunden. Dementsprechend nehmen wir den Künstlern viel ab. Beispielsweise haben wir Kommunikatoren auf der Messe, die die Künstler kennengelernt haben, Informationen für Besucher bereithalten und den Kontakt zum Künstler herstellen. Ebenfalls übernehmen wir die Verkaufsabwicklung für alle Teilnehmer. Als Organisatoren ist das für uns natürlich ein erhöhter Organisationsaufwand, aber letztlich sehen wir darin die Chance die Distanz zwischen Rezipienten und Künstler zu verkürzen.

P/ART producers artfair 2014, Phönix Hallen, Jivan Franster © P/ART

P/ART producers artfair 2014, Phönix Hallen, Jivan Franster © P/ART

Die Preise für einen Stand sind nicht fixiert, sondern an den Erfolg gebunden. Statt einer Standgebühr geben die Künstler 25% von ihren verkauften Werken an die P/ART ab. Damit erleichtert ihr den Künstlern die Teilnahme und nehmt den Druck raus. Wie funktioniert das im Detail? 

Würden wir fixe Gebühren verlangen, würde das potentielle Teilnehmerfeld schon durch diese Voraussetzung massiv beschränkt werden. Es könnten nur noch Künstler mit großen Verkaufschancen teilnehmen. In dem Fall würden wir zu der Art Handelsplattform werden, die wir gerade nicht sein wollen. Unser Anspruch ist es, dass durch die geringe finanzielle Belastung – im Regelfall: Anreise, Unterkunft – die P/ART auch Positionen zeigen kann, die nicht oder kaum markttauglich sind. Übrigens: 25 % sind die Hälfte von dem was marktüblich ist. Dementsprechend ist der Verkauf für uns auch nicht die primäre Finanzierungssäule, so dass wir es uns leisten können dem nicht alles unterzuordnen.

Hand auf’s Herz – wie kontrolliert ihr die Verkäufe? 

Wir übernehmen für die Künstler auf der Messe die Verkaufsabwicklung, halten alles erforderliche Material und Kapazitäten bereit und unterstützen mit der Abwicklung. Das war es schon. Der Rest beruht auf gegenseitigem Vertrauen.

In diesem Jahr geht ihr mit der P/ART in die dritte Runde. Retrospektiv betrachtet: Inwieweit bereichert dieses Format sowohl den Messebesucher als auch den Künstler selbst in Relation zu klassischen Formaten? 

Grundsätzlich könnte das gleiche Kunsterlebnis auch anderswo stattfinden. Am Ende kommt es auf offene Diskussionskultur und die Verdichtung der Rezeption an. Dafür tun wir alles, um auf der P/ART die besten Voraussetzungen zu schaffen, damit sich viel ausgetauscht wird und das Kunsterlebnis so intensiv ist, dass man etwas bereichert nach Hause geht und diese Energie sich festsetzt. Der Verkauf ist danach erst zweitrangig. Unseren Erfolg messen wir daran, dass wir steigende Besucherzahlen haben, mehr Leute in unser Rahmenprogramm einbinden, höhere Medienaufmerksamkeit erzielen und immer mehr Beiträge aus dem Ausland kommen, was die interkulturelle Kommunikation befördert.

Als junges Konzept entwickelt ihr euch ständig weiter – Stillstand würde auch nicht zu einer Messe passen, die jedes Jahr eine andere spannende Location wählt. In diesem Jahr gibt es einen Zusammenschluss von über 10 Hamburger Produzenten-Orten, die während dieser Zeit Ausstellungen eröffnen. Könnt ihr den Nicht-Hamburgern erklären, was diese Szene und diese Orte so einmalig macht? 

Hamburg wird häufig an Berlin gemessen, der Vergleich hinkt natürlich. Das Produzentennetzwerk P/ART-OFF zeigt wie vielfältig die Hamburger Produzentenszene ist. Es gibt verschiedenste Formate wie Kunstvereine, Künstlergalerien, Atelierhäuser, Projektflächen, die mit ihrem sehr aktuellen Programm häufig zu wenig Aufmerksamkeit beim Publikum erreichen, aber auch in der Kulturpolitik keine Stimme haben. Projekte wie das Elektrohaus schließen, Ateliergemeinschaften können sich nicht halten, „unkontrollierte“ Räume verschwinden usw. Häufig sind Lösungen aber gar nicht soweit entfernt, doch der Mehrwert dieser Arbeit wird meist unterschätzt.

Wie viele Teilnehmer und Besucher erwartet ihr in diesem Jahr? 

Auf der P/ART selbst werden es vermutlich etwa 5000 sein. Formatübergreifend mit den P/ART-OFF Locations, unserem Vorprogramm im Kunstverein und im Golem sowie mit der P/ARTIKEL in Kooperation mit dem Reeperbahnfestival könnten es auch knapp 8000 oder mehr werden. Wir bemühen uns nach wie vor auch außerhalb der üblichen „Szene“ Besucher für zeitgenössische Kunst zu begeistern.

Vielen Dank und viel Erfolg für eure weiteren Vorbereitungen! 

 

P/ART – PRODUCERS ARTFAIR

KRAFTWERK BILLE • Anton-Ree-Weg 50 • 20537 Hamburg • Deutschland

Mehr unter www.producersartfair.com