Emily Roysdon, Comedy of Margin Theatre
Ausstellungsansicht, Secession 2015
Foto: Iris Ranzinger

 

Nach einem erfolgreichen Saisonauftakt im September geht es auch im Oktober mit einem vielseitigen Kunstprogramm weiter. Fanny Hauser präsentiert ihre Highlights.

 

Mark Leckey, We Transfer Installationsansicht Living Within The Ecstasy of Always Bursting Forth Secession 2015 Foto: Iris Ranzinger

Mark Leckey, We Transfer
Installationsansicht Living Within The Ecstasy of Always Bursting Forth
Secession 2015
Foto: Iris Ranzinger

In der Secession feiern aktuell gleich zwei KünstlerInnen ihre jeweils erste Einzelausstellung in Österreich. Für ihre Ausstellung Comedy of Margin Theatre entwickelte Emily Roysdon eigens eine räumliche Inszenierung, deren bewusst offen gehaltener Charakter zwischen Installation, Bühne und Performanceraum changiert. Konzeptueller Ausgangspunkt der Ausstellung ist Roysdons Text Uncounted, in dem sie ein Vokabular ihrer Vorstellungen von Performance und Zeit entwickelte. Mark Leckeys Ausstellung We Transfer kreist hingegen um die Idee von Verwandlung, Konversion und Transzendenz. Die für die vernetzte, digitale Welt charakteristische Gleichzeitigkeit verschiedener (virtueller oder faktisch-realer) Existenzformen und Bewusstseinszuständen ist Ausgangspunkt vieler Arbeiten des britischen Künstlers.

Emily Roysdon, Comedy of Margin Theatre Ausstellungsansicht, Secession 2015 Foto: Iris Ranzinger

Emily Roysdon, Comedy of Margin Theatre
Ausstellungsansicht, Secession 2015
Foto: Iris Ranzinger

Harun Farocki, Serious Games 1, Watson is Down  © Harun Farocki 2010

Harun Farocki, Serious Games 1, Watson is Down
© Harun Farocki 2010

Die Gruppenausstellung SOCIAL GLITCH im Kunstraum Niederösterreich versammelt künstlerische Arbeiten, die ihren gemeinsamen Ausgangspunkt in der Ästhetik des Fehlers (Glitch-Ästhetik) haben und diese auf ihre heutige Bedeutung hinterfragen und aktualisieren. Die beteiligten KünstlerInnen beschäftigen sich mit Ereignissen, die in einer Art „negativer Transzendenz“ über das Medium hinaus direkt in den Raum der Öffentlichkeit wirken. Was die unterschiedlichen Ansätze vereint, ist ein engagiertes, aktivistisches und radikales Interesse am „tiefen Horizont“ gegenwärtiger Umbrüche. Die Ästhetik des Fehlers wird im Sinne einer Ästhetik im Feld der Konsequenzen ausdifferenziert, um mit Methoden der Kunst konkrete soziale und politische Potentiale zu ergründen und zu evozieren. Zu sehen sind u. a. Arbeiten von Ines Doujak und John Barker, Harun Farocki, Thomas Feuerstein und Mark Lombardi.

Christian Jankowski, Heavy Weight History, 2013 Courtesy: the artist, Lisson Gallery

Christian Jankowski, Heavy Weight History, 2013
Courtesy: the artist, Lisson Gallery

1967 fand in den USA unter dem Titel „Levitate the Pentagon“ eine Aktion gegen den Vietnamkrieg statt, in der eine Gruppe von AktivistInnen das Pentagon mit ihren Gesängen zum Schweben bringen wollte, um so die bösen Geister auszutreiben und den Vietnamkrieg zu beenden. Die Ausstellung Levitate (lat. levitas – „Leichtigkeit“, „Schweben“) im MuseumsQuartier/freiraum Q21 INTERNATIONAL nimmt diese Aktion als thematischen Ausgangspunkt und konzentriert sich auf den theatralisch spektakulären Aspekt der „Levitation“. Die Schau beschäftigt sich mit dem Phänomen und der fiktiven Macht der „Levitation“, mit der Denkmäler oder Leute „erhoben“ werden können. Die Levitation steht damit auch als Symbol für den Protest, den Widerstand und die Freiheit. Teilnehmende KünstlerInnen sind u. a. Iván Argote, Christian Jankowski, Krištof Kintera und Cinthia Marcelle.

das weisse haus Ausstellung BELLA ANGORA performative entsprechung eines wertungsresistenten prozesses & bonusmaterial © Bella Angora

das weisse haus
Ausstellung BELLA ANGORA
performative entsprechung eines wertungsresistenten prozesses & bonusmaterial
© Bella Angora

Bis 17. Oktober kann die der Künstlerin Bella Angora gewidmete Einzelausstellung im weissen haus besucht werden. Die Ausstellung ist eine thematische Wiederaufnahme und Weiterentwicklung der 2013 entstandenen Fotoserie performative entsprechung eines wertungsresistenten prozesses. Eröffnet wurde die Ausstellung mit einer Liveperformance, in der die Künstlerin die Sinnhaftigkeit eines kulturell verankerten polarisierenden Wertesystems in Frage stellt. Während der Ausstellungsdauer sind neben der Videodokumentation und den Relikten der Performance auch die dazugehörende Fotoserie sowie weitere Videoarbeiten von Bella Angora zu sehen.

Abschließend sei noch auf das am 3. Oktober stattfindende ArtUnanchored Festival verwiesen, das auch dieses Jahr wieder den urigen Schaufelraddampfer MS Stadt Wien zu einer temporären Kunstplattform für junge, aufstrebende KünstlerInnen formt. Auf der Fahrt von Wien nach Bratislava (und retour) werden sich rund 60 Kunstschaffende in den Bereichen Ausstellung, Lesung, Kino, Musik und Film präsentieren und Kunstdisziplinen und Kulturen im Rahmen eines 11-Stunden-Programms verschwimmen lassen. Die Gruppe der teilnehmenden Kunstschaffenden besteht aus vielen jungen, aufstrebenden KünstlerInnen aus Österreich und der Slowakei – aber auch etablierte Namen, wie Elisabeth von Samsonow (Lesung), Gelitin (Film), Mara Matuschka (Film), Šymon Kliman (Art), Roberta Lima (Lesung) und den Konzert-Headliner Konea Ra, KIDS N CATS und Le Toy.

// Fanny Hauser