VIENNAFAIR 2015
© Sabrina Möller

VIENNAFAIR 2015 • GLEICHER NAME, GLEICHER ORT, NEUE MESSE

Gleicher Name, gleicher Ort  – neue Messe. Auf den ersten Blick scheint sich an der diesjährigen VIENNAFAIR wenig verändert zu haben. Doch der Schein trügt. Unter der Leitung von Wolfgang Pelz feiert die VIENNAFAIR vom 8. bis 11. Oktober 2015 ihr „Debüt“. Fanny Hauser war vor Ort und hat sich das Ergebnis angesehen.

 

© Sabrina Möller

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Zugegeben, die anfängliche Verwirrung um die Wiener Kunstmessen war groß. Nachdem das „alte“ von Christina Steinbrecher-Pfandt geleitete VIENNAFAIR-Team unter dem Namen viennacontemporary in die Marx Halle gezogen ist, übernahm Wolfgang Pelz die Leitung der „neuen“ VIENNAFAIR und nutzte dabei die Gelegenheit die Messe in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Doch worin unterscheidet sich die „neue“ VIENNAFAIR von ihrer Vorgängerin? Was hat sich dieses Jahr verändert? Wer die viennacontemporary vor rund zwei Wochen besucht hat, weiß wie die Antwort auf diese Frage lauten muss: eigentlich alles. Denn während die viennacontemporary das Konzept und die AustellerInnen der „alten“ VIENNAFAIR größtenteils übernommen hat und ihrem Fokus auf osteuropäische und zeitgenössische Galerien treu blieb, stand das aktuelle Team rund um Wolfgang Pelz nicht nur vor der Herausforderung ein neues Konzept zu entwerfen, sondern auch neue TeilnehmerInnen zu akquirieren.

Viele der etablierten, zeitgenössischen Wiener Galerien nahmen dieses Jahr an der viennacontemporary teil, was zwar für das über die Jahre in Steinbrecher-Pfandt gesetzte Vertrauen spricht, Wolfgangs Pelz’ Unterfangen jedoch deutlich erschwert haben muss. Ein weiterer Grund für die Teilnahme an der terminlich früher angesetzten Messe liegt nicht nur in der bloß eine Woche nach der VIENNAFAIR stattfindenden Frieze London, sondern auch darin, dass Pelz das Format erst im April 2015 übernommen hat. Ein schwieriger Zeitpunkt zum Akquirieren neuer Kunden, die großteils bereits ihr Herbstprogramm geplant hatten. Dementsprechend hat sich das Messeteam der VIENNAFAIR zum erklärten Ziel gesetzt auch vermehrt internationale Galerien in die Messehalle A einzuladen. Obwohl zwar dennoch ein deutlicher Schwerpunkt auf österreichische Galerien zu spüren ist, konnte Pelz auch u. a. in Korea, Italien, Ungarn, Russland und vor allem Deutschland ansässige Galerien für sich gewinnen. Der Messestand der Berliner Galerie Carsten Seifert setzt den Fokus u. a. auf Tobias Stutz’ kleinformatige Gemälde und besticht mit fotografischen Arbeiten von Heike Mardo. Fotoliebhabern sei außerdem ein Besuch bei Johannes Faber sowie dem mit Arbeiten von Ren Hang, Cora Pongracz und Sam Haskins bestückten Messestand der Ostlicht Galerie empfohlen. Auf eine ebenso erfreuliche wie auch zum Verweilen einladende Überraschung stößt man am Messestand der Gugging Galerie: das Atelier von dem „Birdman“ Hans Langer wird 1:1 ausgestellt.

HELMUTS PRIVATE ART CLUB | Booth 109 © Sabrina Möller

HELMUTS PRIVATE ART CLUB | Booth 109
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Gemütlich ist es auch am Messestand von Helmuts Art Club. Dort kann man seine Beine nämlich in einem komfortablen Doppelbett ausstrecken und die Arbeiten verschiedener KünstlerInnen bewundern. Ein anderer „Eyecatcher“ befindet sich bei der Galerie Reinthaler, die an ihrem Messestand neben Arbeiten von Tina Ribartis oder Lukas Marxt eine lebensechte, von Taro Meissner entworfene Wursttheke zeigt. Unmittelbar miteinander in Dialog gesetzt werden die vom Kunstraum Sellemond präsentierten Arbeiten. Christian Rosa’s großformatiges Tableau scheint dort nämlich die Linienfigurationen und Farben der Arbeiten Dejan Dukic’ aufzunehmen und auch Angelika Loderers Skulptur fügt sich in die gestisch-expressiven Zeichnungen des amerikanischen Künstlers Raymond Pettibon ein.

KUNSTRAUM SELLEMOND | Booth 111 © Sabrina Möller

KUNSTRAUM SELLEMOND | Booth 111
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Eine wesentliche Neuerung der VIENNAFAIR liegt in der räumlich und visuell klar abgetrennten Sektion VIENNAFAIR Masters. Neben ihrem bekannten zeitgenössischen Schwerpunkt positioniert sich die Messe dieses Jahr in Anlehnung an Frieze Masters auch als Messe für KunsthändlerInnen und erweitert damit ihren Fokus auf Positionen des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus erfährt die Messe durch die beiden von Angela Stief kuratierten Sonderschauen kínēsis. Eine Studie zur Bewegung im Bild und COLORES UNITI. Ein Künstler, eine Wand und viel Farbe eine zusätzliche Erweiterung. Während kínēsis rund 60 internationale KünstlerInnen vereint und die künstlerische Auseinandersetzung mit kinetischen Experimenten und Darstellungsformen in ihren Mittelpunkt rückt, arbeitet die zweite Ausstellung unter der Prämisse, die Farbe als Stilmittel zu befragen. Dabei werden Werke von KünstlerInnen gezeigt, die sich vor allem als Zeichner, Konzeptualisten oder Bildhauer verstehen (Constantin Luser, Tilman Kaiser u. a.). Die Schau versammelt auf insgesamt neun Wänden künstlerische Positionen, die sowohl von Institutionen als auch von renommierten Galerien zur Verfügung gestellt wurden, aber auch zum Verkauf bereit stehen. Die zusätzlichen Sonderschauen ermöglichen folglich nicht nur eine Kooperation mit prominenten Institutionen und Galerien, sondern bieten auch eine willkommene Alternative, um weitere namhafte Künstler in das Programm zu integrieren.

EXHIBITION VIEW  Special Exhibition Kinesis - Eine Studie zur Bewegung im Bild. curated by Angela Stief © Sabrina Möller

EXHIBITION VIEW
Special Exhibition Kinesis – Eine Studie zur Bewegung im Bild. curated by Angela Stief
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In den letzten Jahren hat Wien sich zu einer vielseitigen Kunststadt entwickelt und hat auch im internationalen Vergleich spürbar aufgeholt. Bemerkbar macht sich dies nicht nur am stetig wachsenden Ausstellungsangebot oder an den zahlreichen Events, die die Stadt zu bieten hat (Vienna Art Week, curated_by, Vienna Biennale, Parallel Vienna u. a.), sondern auch am aktuell vorherrschenden Überangebot an Kunstmessen. Obwohl die Koexistenz der VIENNAFAIR und der viennacontemporary in den letzten Wochen zunehmend in Frage gestellt wurde, besteht spätestens seit dieser Woche kein Zweifel mehr daran, dass die beiden Formate friedlich nebeneinander bestehen können. Mit ihrem erweiterten Fokus auf die Kunst des 20. Jahrhunderts und einem spürbar weniger experimentierfreudigem Blick auf die Gegenwartskunst, spricht die durchaus gelungene VIENNAFAIR eine konservativere Zielgruppe an als ihre Vorgängerin. Dadurch erhalten auch in den Vorjahren nicht auf der VIENNAFAIR vertretene Galerien die Möglichkeit sich am internationalen Kunstmarkt zu behaupten – was die medial aufgebauschte Konkurrenz zwischen VIENNAFAIR und viennacontemporary obsolet werden lässt. Das Problem, mit dem sich die neue VIENNAFAIR vermutlich konfrontiert sehen wird, ist vielmehr die Koexistenz mit Messen wie der ebenfalls von Wolfgang Pelz geleiteten Art Austria und der Art Salzburg sowie der jährlich stattfindenden Art & Antique in der Wiener Hofburg. Denn obwohl jede dieser Messen einen eigenen Schwerpunkt für sich beansprucht, bedienen sie doch alle ein ähnliches Klientel, sodass einem auch die Messestände der AusstellerInnen nicht selten verdächtig bekannt vorkommen …

// Fanny Hauser

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VIENNAFAIR 2015

08. – 11. Oktober 2015 • täglich von 11 – 19 h
Messeplatz 1 • 1020 Wien • Austria
www.viennafair.at

 

Mit freundlicher Unterstützung der VIENNAFAIR