GALERIE GUGGING | Booth 128 © Sabrina Möller

Ateliers versprühen ihren ganz eigenen Charme. Das Atelier von Hans Langner erinnert fast schon an ein Kuriositätenkabinett, in dem man selbst nach Stunden noch viele neue Dinge entdecken kann. Und weil es so speziell ist, hat Nina Katschnig – Leiterin der Galerie Gugging – das Atelier kurzerhand in einen Messestand verwandelt. Anna Maria Burgstaller traf die Galeristin zum Gespräch.

 

GALERIE GUGGING | Booth 128 © Sabrina Möller

GALERIE GUGGING | Booth 128
© Sabrina Möller

Die Galerie Gugging ist nicht zum ersten Mal auf der VIENNAFAIR vertreten. Warum habt ihr euch – trotz Neupositionierung – wieder für diese Messe entschieden?

In diesem Jahr sind wir zur Abwechslung nicht mit einem Gugginger Künstler vertreten, sondern ganz exklusiv mit Hans Langner. Die Entscheidung für diese Messe war wesentlich durch die Standidee selbst begründet. Hätte ich diese Idee nicht gehabt, hätte ich gar nicht gewusst, was wir auf der Messe zeigen sollen. Tatsächlich hatte ich die Messe sogar aus diesem Grund bereits abgesagt. Denn bei unserer letzten Teilnahme hatten wir das Gefühl, dass wir etwas untergegangen sind und unser Stand viel zu unauffällig war. Als ich bei Langner in seinem Atelier war habe ich gleich gespürt, dass das passen könnte. Und ich wusste, dass Wolfgang Pelz für besondere Ideen offen ist.

Wie hat Wolfgang Pelz als Messeveranstalter auf diesen ungewöhnlichen Vorschlag reagiert?

Er hat das Atelier selbst besucht und seine Reaktion war so, wie ich mir das erwartet habe. Er meinte: „In solchen Momenten wissen wir, warum wir das tun, was wir tun: es macht so eine Freude.“ Ich wollte, dass die Menschen diese Freude und dieses Staunen wieder entdecken. Der Raum hat so viele kleine versteckte Schätze, die man entdecken kann. Es ist besonders und familiär – und das genau repräsentiert uns als Galerie: wir sind eine zusammengewachsene Gemeinschaft von Menschen, die sich schon sehr lange für die Künstler aus Gugging einsetzen und wir sind auch so etwas wie eine Familie. Wahrscheinlich hat es mich auch deshalb gleich angesprochen. Es ist einfach stimmig.

Ihr habt euch entschieden, auf der Messe ein ungewöhnliches Konzept zu präsentieren. Ihr habt das Atelier vom „Birdman“ Hans Langner 1:1 auf die Messe verfrachtet. Wie kam es zu der Idee?

Es ist nur fast 1:1, denn den Ofen haben wir im Atelier gelassen. Doch die Möbel, der Luster, die Sitznischen und der Arbeitsplatz sind genau so, wie in seinem Atelier. Die Bilder hängen in gleicher Anordnung an der Wand, wie sie sonst auch in seinem Atelier hängen. Er verbringt dort die meiste Zeit und er wollte es auch auf der Messe schön haben. Die Idee dazu entstand also, als ich ihn in seinem Atelier im 12. Bezirk besucht habe. Ich dachte mir, dass ganz viele Leute dieses Atelier sehen sollten. Aber wer fährt dafür schon extra in den 12. Bezirk? Besser wäre es doch, das Atelier gleich an den Ort zu bringen, wo viele Menschen sind. Da hat sich die Messe perfekt angeboten.

GALERIE GUGGING | Booth 128 © Sabrina Möller

GALERIE GUGGING | Booth 128
© Sabrina Möller

GALERIE GUGGING | Booth 128 © Sabrina Möller

GALERIE GUGGING | Booth 128
© Sabrina Möller

Was ist das Geheimnis hinter einer über Jahre funktionierenden Galerie? Wie kann man in diesem Markt dauerhaft bestehen?

Man muss an das was man ausstellt absolut glauben. Man sollte es nicht nur wegen Geld machen, sondern mit viel Gefühl und Herz. Mein Büro ist gleichzeitig auch das Atelier der Künstler – es gibt also eine direkte Verbindung. So nah an der Kunst wie nur möglich zu sein ist mein Geheimnis. Ich glaube, wenn man wirklich seinen Weg geht und sich dabei selbst treu bleibt, ist diese Passion spürbar – bei Kunden, Sammlern und Museen. Doch man braucht auch neue Ideen. Mit einer gewöhnlichen Messepräsentation wären wir untergegangen. Außerdem darf man nicht wie Schnittlauch auf jeder Suppe auch auf jeder Messe sein. Man muss sehr genau prüfen, welche Messe zu einer Galerie passt. Es gibt Messen, die sind einfach verschossenes Pulver: da sieht dich keiner.

Auf der diesjährigen VIENNAFAIR gab es kein Komitee. Ist das eine willkommene Abwechslung oder ist das auch problematisch?

Es kommt immer darauf an, wer in dem Komitee sitzt. Oder anders gesagt: es kommt wirklich nur auf die handelnden Personen an. Wenn das Menschen sind, die voreingenommen entscheiden und die eigenen Interessen über das große Ganze stellen, dann wird das nicht funktionieren. Man sollte die Bewerbungen immer von einer höheren Warte aus betrachten und nicht von persönlichen Hintergründen abhängig machen. In diesem Jahr empfinden wir es als sehr positiv, dass es kein Komitee gibt. Dadurch hatten wir von Beginn an mit Wolfgang Pelz eine direkte Ansprechperson. Wenn es ihm gefällt, ist das gut. Gefällt es ihm nicht, dann halt nicht. So werden unterschiedliche Dinge viel klarer und strenger geklärt als mit einem Komitee. In unserem Fall hat das so jetzt perfekt gepasst, auch weil dadurch alles so kurzfristig funktioniert hat.

Vielen Dank!

// Interview von Anna Maria Burgstaller
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GALERIE GUGGING | Booth 128

VIENNAFAIR 2015

08. – 11. Oktober 2015 • täglich von 11 – 19 h
Messeplatz 1 • 1020 Wien • Austria
www.viennafair.at

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