STÄDTCHEN II
1929
Aquarell und Tusche auf Papier
29,8 x 48,3 cm
The Feininger Project No. 1186-01-17-13
W&W - Wienerroither & Kohlbacher | Booth 226
© Sabrina Möller

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In den frühen 80er Jahren begann die Geschichte von W&W – Wienerroither & Kohlbacher in einer Wiener Studentenwohnung. Heute sind sie für die Spezialisierung auf die Klassische Moderne bekannt. Sabrina Möller hat mit Alois Wienerroither über die Herausforderungen des aktuellen Marktes gesprochen…

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Das Team von W&W - Wienerroither & Kohlbacher Courtesy: W&W - Wienerroither & Kohlbacher

Das Team von W&W – Wienerroither & Kohlbacher
© RITA NOWAK

Wie haben Sie reagiert, als Sie erfahren haben, dass die VIENNAFAIR 2015 um den Bereich Masters erweitert wird?

Das war eine gute Idee. Es gab hier vor Ort keine Messe für zeitgenössische Kunst, wo auch klassische Werke ausgestellt wurden. Das ist in Wien eine neue Idee und wenn dieses Feld künftig entsprechend gestärkt wird, hat es gute Chancen.

Die Frieze ist ein gutes Beispiel dafür, dass diese Kombination international sehr gut funktionieren kann. Dennoch gibt es auch Herausforderungen und Schwierigkeiten bei dieser Verwebung. Worin sehen Sie persönlich die Vorteile aber auch die Probleme, die damit einhergehen können?

Ich glaube grundsätzlich daran, dass man Kunst aus mehreren Jahrhunderten gemeinsam ausstellen kann. Ein Problem könnte sein, dass die Händler zeitgenössischer Kunst unter Umständen wegen dem Kaufkraftverlust Bedenken haben. Demnach habe ich das Gefühl, dass es hier in Wien möglicherweise Widerstände gibt.

Wien ist natürlich wesentlich kleiner als London und auch die Messe ist entsprechend überschaubarer. Könnte der Besucher aufgrund der Größendimension und aufgrund der Teilnehmerzahlen den Eindruck gewinnen, dass schlicht der rote Faden fehlt?

Da habe ich überhaupt keine Bedenken, weil man das vernünftiger Weise gut trennen kann. Jemand, der nur Zeitgenossen sehen will, kann auch nur in diese Abteilung gehen. Aber die Meisten sind auch daran interessiert das Klassische zu sehen. Und man darf nicht vergessen: in der Klassikabteilung ist die Spreu vom Weizen getrennt. Da sieht man hervorragende Sachen – unter Umständen aus mehreren Jahrhunderten Malerei. Das macht es, wie auch in London, erstklassiger. Die klassische Abteilung ist bereits durchgesiebt.

Gibt es erfahrungsgemäß unter Ihren Sammler auch viele, die aus verschiedenen Jahrhunderten sammeln?

Es überschneidet sich zunehmend. Sammler, die Werke aus dem 19. Jahrhundert oder auch alte Meister sammeln, kaufen auch oft zeitgenössische Kunst. Heute würde ich das nicht mehr so streng trennen. Der Trend geht in die Richtung durchaus verschiedene Richtungen zu sammeln.

Standansicht/ Booth 226 W&W - Wienerroither & Kohlbacher © Sabrina Möller

Standansicht/ Booth 226
W&W – Wienerroither & Kohlbacher
© Sabrina Möller

 

Wie begründen Sie diesen Trend?

Es geht um Qualität. Gute Sachen aus allen Zeiten vertragen sich auch nebeneinander.

Auch auf der Art Basel ließ sich ein gewisser Trend zurück zu klassischeren Positionen erkennen. Und auch im Auktionsmarkt verändern sich die Tendenzen. Wurde die zeitgenössische Kunst teilweise zu sehr gehypt?

Man muss unterscheiden: einerseits wird gehypt und andererseits tut der Marktmechanismus dann sein übriges. The winner takes it all. Einige Wenige erzielen Spitzenpreise und andere gute Künstler bleiben auf einem kleinen Preisniveau. Dieser Mechanismus ist nur schwer zu durchbrechen.

Der Auktionsmarkt wurde in den letzten Jahren zunehmend internationaler und viele Galerien für zeitgenössische Kunst kämpfen um ihre Existenz. Die Spanne wird immer größer: während immer mehr Galerien schließen, werden in Auktionen immer wieder neue Rekorde erzielt. Ist es in Ihrer Sparte ähnlich?

Ja, es ist in unserer Sparte ähnlich. Die Auktionen machen dem Handel große Schwierigkeiten. Die Kaufkraft innerhalb von Auktionen wird immer stärker, während der Handel darunter leidet. Dazu kommt, dass es dem Handel durch die Transparenz der Preise bei Auktionen erschwert wird Aufschläge zu rechtfertigen. Wenn man irgendwo auf der Welt dann ein tolles Werk findet und es günstig erwirbt, wird einem der normale Marktpreis unter Umständen vorgeworfen.

Hinzu kommt, dass das Folgerecht ein riesiger Schaden für den Handel ist. Es ist bereits beim Kauf fällig und beim Verkauf erneut. Der Handel arbeitet auf eigenes Risiko, während bei einer Auktion alles auf Kommission läuft. Die Auktionen haben zusätzlich noch den riesigen Vorteil, dass sie das Folgerecht für alle Künstler einheben, aber nur einen Teil abliefern müssen. Das heißt, die Auktionen werden extrem gestärkt und der Handel wird extrem benachteiligt.

Wie gehen Sie mit diesen Tendenzen um?

Wir kaufen vom Folgerecht belastete Sachen nicht mehr ein. Außerdem muss ich mir als Händler Strategien einfallen lassen, um diese Tendenzen in Damm zu halten. Beispielsweise Alfred Kubin: Den haben wir in unserer Partnergalerie in New York ausgestellt. Da ist das Folgerecht nicht fällig.

FABRIK BEI NACHT 1952 Öl auf Leinwand 45,7 x 55,9 cm Moeller, cat. rais. no. 531 W&W - Wienerroither & Kohlbacher | Booth 226 © Sabrina Möller

FABRIK BEI NACHT
1952
Öl auf Leinwand
45,7 x 55,9 cm
Moeller, cat. rais. no. 531
W&W – Wienerroither & Kohlbacher | Booth 226
© Sabrina Möller

 

STÄDTCHEN II 1929 Aquarell und Tusche auf Papier 29,8 x 48,3 cm The Feininger Project No. 1186-01-17-13 W&W - Wienerroither & Kohlbacher | Booth 226 © Sabrina Möller

Lyonel Feininger, STÄDTCHEN II, 1929
Aquarell und Tusche auf Papier, 29,8 x 48,3 cm
The Feininger Project No. 1186-01-17-13
W&W – Wienerroither & Kohlbacher | Booth 226
© Sabrina Möller

Was glauben Sie, wie sich diese Situation in den kommenden Jahren entwickeln wird?

Es wird sicher nicht besser, sondern noch schwieriger. Man muss darüber nachdenken, wie sich der Handel gegenüber den Auktionen behaupten kann.

Die Generation der Kunsthändler in Wien, die auch den Charakter der Stadt mitgeprägt hat, verschwindet zunehmend, weil immer weniger Junge nachkommen. Was glauben Sie, woran das liegen könnte?

Die Dichte der Galerien in Wien ist sehr hoch, auch in der klassischen Moderne. Es kommt nicht viel junge Kraft nach, weil der Einsatz und das Risiko einfach wahnsinnig hoch sind. Und dann kommt noch das Folgerecht dazu: obwohl man noch gar nichts verdient hat, muss man gewaltig zahlen. Es sind letztlich die Gewinnprozente, die fehlen. Am Ende bleiben vielleicht noch 10% vom Umsatz, wovon dann noch einmal 4% als Folgerecht weggehen.

Sehen Sie große Differenzen zwischen dem Standort Wien und dem Standort in New York?

Ja, da ist ein riesiger Unterschied. In New York gibt es das Folgerecht nicht und das alleine ist ein großer Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Noch dazu ist die Steuer geringer und der Weltmarkt ist sicher in New York.

Wie sind Sie bei der Auswahl der Werke für diese Messe vorgegangen? Gibt es konkrete Kriterien?

Es gibt immer ganz konkrete Kriterien, weil man auf das Umfeld und das mögliche Publikum Rücksicht nimmt. Wir haben hier nur drei Schwerpunkte gesetzt: Kunst nach 1945 mit Max Weiler – ein herausragender österreichischer Maler. Dann Josef Floch, ein herausragender Expressionist und dann nehmen wir mit Feininger und Kubin Bezug auf die aktuelle Ausstellung in der Albertina.

Ihr erstes Feedback zur VIENNAFAIR 2015?

Ich bin überrascht, dass es sehr gut besucht ist und auch viele gute Sammler kommen. Grundsätzlich sind die Leute begeistert, auch wenn es einiges zu verbessern gibt. Es gibt einige Teilnehmer, die keine messewürdigen Stände präsentieren. Und mit messewürdig meine ich, dass es einen kunsthistorischen Kontext gibt, der einigen Ständen sehr wohl fehlt. Das müsste natürlich schon genauer von einer Jury geprüft werden, denn so ist das nicht gut.

Das heißt, Sie wären dafür, dass es für die nächste Ausgabe der VIENNAFAIR wieder ein Komitee gibt?

Ja, unbedingt und absolut!

Wer sollte in diesem Komitee sitzen?

Es sollten Spezialisten aus verschiedenen Bereichen herangezogen werden, dann wird das Ergebnis gut. Nur Händler halte ich nicht für gut, aber nimmt man nur Außenstehende fehlt die Marktkenntnis. Es würde sich ergänzen, wenn es eine Mischung wäre.

Vielen Dank!

// Interview von Sabrina Möller

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W&K – WIENERROITHER & KOHLBACHER | Booth 226

VIENNAFAIR 2015

08. – 11. Oktober 2015 • täglich von 11 – 19 h
Messeplatz 1 • 1020 Wien • Austria
www.viennafair.at

Mit freundlicher Unterstützung der VIENNAFAIR 2015//