MARK LECKEY + ALESSANDRO RAHO We Transfer Secession, Wien, 2015

Seit dem 11. September 2015 sind in der Secession die Installationen des Videokünstlers Mark Leckey zu sehen. Um die Ideen von Transformation und Transzendenz kreisend, setzen sich die Arbeiten des in Birkenhead geborenen Künstlers unter dem Titel „We Transfer“ mit  der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Bewusstseinszuständen und Existenzweisen auseinander.  

 

Mark Leckey, We Transfer Ausstellungsansicht, Secession 2015 Foto: Iris Ranzinger

Mark Leckey, We Transfer
Ausstellungsansicht, Secession 2015
Foto: Iris Ranzinger

 

Für seine erste Einzelausstellung in Österreich konnte Mark Leckey kaum an einen besseren Ausstellungsort geraten: die Wiener Secession. 2008 mit dem Turner-Preis ausgezeichnet, scheint der britische Videokünstler bewusst mit der sakral anmutenden Atmosphäre des geschichtsträchtigen Gebäudes zu kokettieren. Jeder Schritt in dem minimalistischen, aufgeräumt wirkenden Ausstellungsraum hallt durch den leeren Raum und auch die 10 LED-Screens – die symmetrisch an den weißen Wänden des Raumes hängen – erinnern an bunte Kirchenfenster, die maßgeblich an der Strukturierung des Innenraumes beteiligt sind. Über die Bildschirme flimmern kurze Animationen im Dauerloop und zeigen unterschiedliche Sequenzen, Sinnbilder der Transformation: eine Szene aus Disneys Pinocchio, eine Dragqueen, am Vollmond vorbeiziehende Wolken, ein ekstatisch tanzender Jugendlicher, eine Lichtkarte Großbritanniens sowie eine Figur, die sich in einen amorphen Körper zu verwandeln scheint.

Auch die Schlüsselfigur der Ausstellung, ein Mann in Tupfenkleid, erinnert an einen Heiligen: Am Boden kniend, scheint der Polka Dot Man um Erlösung zu flehen – eine Geste, die an Heilige oder Märtyrerikonen denken lässt. Leckey erkennt in dieser Szene aus Billy Wilders Eins, zwei, drei (1961) die perfekte Verkörperung des ekstatischen Augenblicks der Wandlung. Losgelöst aus dem Kontext des Films, wird das Sujet im Rahmen von We Transfer in großformatigen Prints, als psychedelische GIF-Animation auf einem der LED-Screens, als bewegtes Standbild in einem neuen Video und in Öl auf Leinwand in einer Serie von Alessandro Raho variiert.

 

Mark Leckey, We Transfer Ausstellungsansicht, Secession 2015 Foto: Iris Ranzinger

Mark Leckey, We Transfer
Ausstellungsansicht, Secession 2015
Foto: Iris Ranzinger

Mark Leckey, We Transfer Ausstellungsansicht, Secession 2015 Foto: Iris Ranzinger

Mark Leckey, We Transfer
Ausstellungsansicht, Secession 2015
Foto: Iris Ranzinger

 

In Anlehnung an den Online-Speicher-Dienst „WeTransfer“ beschäftigt sich der Künstler mit dem Internet und Prozessen digitaler Kommunikation und imitiert mit der Ausstellung die strengen, formalen Muster einer digital verfassten Welt. Davon ausgehend, dass wir durch neue, personalisierte Technologien und ein stetig dichter werdendes Raster von Algorithmen zunehmend rationalisiert werden, präsentiert er uns in der Secession eine entgegengesetzte Idee: Denn genau dieses Raster offenbart, so Leckey, etwas chaotisch Irrationales, etwas Unbewusstes und beherbergt ein individuelles Rasternetz in dem unsere Bilder, Informationen und Erinnerungen abgelegt sind – eine Vorstellung, die der Künstler mit dem Begriff „autistic grid“ bezeichnet.

Das hochaktuelle Sujet des „Transfers“ zieht sich durch die Ausstellung wie ein roter Faden: die geloopten Animationen zeigen Momente der Transformation und auch Leckeys Verwandlungsikone, der Polka Dot Man, wird in unterschiedliche Medien (Malerei, Fotografie, Video) übersetzt. Selbst die Wiener Secession scheint sich im Rahmen der Ausstellung in einen sakralen Tempel zu verwandeln. Die gegenwärtigen Vorstellungen von Transformation und Konversion sind ohne Frage unmittelbar an neue Technologien und Medien gekoppelt – und dennoch erschließt sich Leckeys Vorgehensweise den BesucherInnen nicht vollständig. Leckeys – durchaus fragwürdige – Annahme eines „autistic grids“ kann letztendlich mit einer Art individualisiertem Archiv gleichgesetzt werden. Im Rahmen der Ausstellung sehen die BesucherInnen sich allerdings bloß mit plakativen Szenarien und Momenten (britischer) Popkultur konfrontiert. Die Auswahl der Animationen scheint, wie auch die in den „Seitenschiffen“ gezeigten Videoarbeiten, beinahe willkürlich ausgewählt worden zu sein und auch die in ihrer Gesamtheit krampfhaft-gewollt wirkende Ausstellung hinterlässt bedauerlicherweise keinen bleibenden Eindruck.

// Fanny Hauser

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MARK LECKEY + ALESSANDRO RAHO |  WE TRANSFER

Ausstellungsdauer: 11/09 – 01/11/2015
SECESSION • Friedrichstraße 12 • A-1010 Wien
www.secession.at