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Kunst trifft auf Mode, Mode auf Kunst – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das Duo hinter dem österreichische Luxuslabel FEMME MAISON besteht aus der Fashion Designerin Franziska Fürpass-Kermani und dem Künstler Sia Ali-Pour-Kermani. Gemeinsam kreieren Sie mit FEMME MAISON ein international bekanntes Modelabel, das für Minimalismus und innovative, tragbare Designs aus hochwertigsten Materialien besteht. Sabrina Möller hat das Duo in ihrem Wiener Atelier besucht und mit Ihnen über ihre Arbeitsweise und Inspirationen gesprochen …

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:::  INTERVIEW  :::

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SS16 © Sia Ali-Pour-Kermani / FEMME MAISON

FEMME MAISON • SS16 © Sia Ali-Pour-Kermani / FEMME MAISON

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Wie ist die Idee zu FEMME MAISON entstanden?

Franziska: FEMME MAISON kommt namentlich von Louise Bourgeois ́s Kunstserie, auch sie als Person ist sehr inspirierend. Ein Zitat von ihr war: „Jeder Mensch ist so formbar wie Wachs, wir wachsen erst durch unsere Erfahrungen.“ Bei Kleidung geht es auch immer um den Charakter und darum, was man anzieht und wie man sein will. Ich fand es spannend an diesem Thema zu arbeiten. Am Anfang habe ich mit Tapisserie-Stoffen experimentiert. Diese Stücke waren kaum tragbar, haben mir jedoch geholfen den Widerspruch von Schutz, Intimität und Aufbruch zu verarbeiten. Ich habe begriffen, dass ich für die Frau entwerfen möchte: Und zwar Kleidung, die man auch tragen kann.

Inzwischen seid ihr zu Zweit im Team…

F: Kurze Zeit später habe ich Sia kennengelernt, der der mich anfangs lediglich beraten hat. Daraus hat sich dann eine intensive Zusammenarbeit ergeben. Sia hat nicht den Stempel eines klassischen Brandmanagers, der Wirtschaft studiert hat, sondern kommt selber aus der Kunst. So können wir uns kreativ ausleben und dennoch gemeinsam mit sehr viel Realismus, Perfektion und Weiterbildung versuchen, uns treu zu bleiben.

Wie schwierig und herausfordernd ist es, wenn man kurz nach dem Studium ein Modelabel gründet?

F: Tatsächlich war es mir recht schnell bewusst was es bedeutet, ein Unternehmen zu gründen, zu führen und sich selbstständig zu machen. Das Label war anfangs ein Projekt. Gemeinsam mit Sia wurde dieses Ende 2013 dann auch zu einem „wirtschaftlichen“ Unternehmen.

Man ist eben nicht nur Designer, sondern auch Buchhalter und Marketingabteilung zugleich.

F: Zum Glück ergänzen wir uns da sehr gut. Sia hat Ideen, auf die ich selber nicht kommen würde. Man spürt, dass er selber aus der Kunst kommt und eben nicht rein wirtschaftlich denkt. Das macht die Zusammenarbeit leichter. Wir sind schließlich nicht nur beruflich ein Duo, sondern auch privat.

Sia: Mit sehr strukturierten Abläufen beim Arbeiten selbst, fühle ich mich generell sehr wohl – sowohl bei FEMME MAISON als auch in meiner persönlichen, künstlerischen Arbeit. Damit schaffe ich mir wiederum eine, für mich unverzichtbare, Grundlage für alle kreativen Arbeitsprozesse und eine geistige, kreative Freiheit und vor allem Zufriedenheit. Gerade dies, einen ganz persönlichen, reflektierten und “gesunden” Weg zu finden.

Was inspirierte euch zu eurer neuesten Kollektion?

F: Meine Arbeit an der Kollektion ähnelte dem Führen eines Tagebuchs: Man geht hinaus und nimmt bestimmte Dinge wahr. Meine persönliche Wahrnehmung fließt dann in meine Arbeit ein. Für die kommende Kollektion hat mich der Film La Piscine fasziniert. Vor allem die zwei Charaktere von Romy Schneider und Jane Birkin. Eine elegante, etwas ältere Frau trifft auf einen jungen, verspielten Typ. Das ergibt in der Kollektion eine schöne Mischung.

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SS16 © Sia Ali-Pour-Kermani / FEMME MAISON

FEMME MAISON • SS16 © Sia Ali-Pour-Kermani / FEMME MAISON

SS16 © Sia Ali-Pour-Kermani / FEMME MAISON

FEMME MAISON • SS16 © Sia Ali-Pour-Kermani / FEMME MAISON

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Wie funktionierte der Sprung von der Kunst zur Mode für dich, Sia?

S: Für mich war das eine großartige Entwicklung. Lange habe ich mich gegen Mode gewehrt, ohne zu wissen warum. Mode machte mir immer etwas Angst, ich habe nie verstanden, wie die Menschen so viel darüber reden können. Ich dachte mir dabei immer, das sei doch einfach nur Kleidung! Diese Kleidung neben dem Design noch mit zusätzlichen Inhalten aufzuladen fiel mir zunächst schwer, doch Franziska hat von Beginn an sehr klare Grenzen zwischen Kunst und Mode formuliert. Sie lässt die Kunst als Inspiration zu und trägt die Mode dann mit der Essenz nach außen. Unser Zugang zu Inspiration ist dabei sehr unterschiedlich: Franziska ist wahnsinnig bauchlastig, während ich, oft rational, durch Analyse Struktur suche.

Kunst ist eben auch eine Inspirationsquelle: Arthur Arbesser lässt sich etwa von zeitgenössischer Kunst inspirieren. Gibt es solche direkten Einflüsse auch in euren Kollektionen?

F: Kunst spielt auf jeden Fall eine Rolle für meine Inspiration – ob Farbkonstellationen, Materialien, die Zusammenstellungen oder eine gewisse Feinfühligkeit. Ich denke auch, dass diese Einflüsse sichtbar werden, allerdings kommunizieren wir diese Inspirationsquellen in der Regel nicht so konkret. Es gab einmal einen schönen Moment während meiner Arbeit an einem Oberteil: Während des Drapieren des Stoffes kam Sia in den Raum und hatte spontan eine Assoziation zu einem abstrakten Bild. Ein sehr schöner Vergleich, denn auch bei einem abstrakten Bild geht es sehr oft um die Essenz.

S: Wenn ich spüre, dass in einer fertigen Arbeit, Bild oder Kleidungsstück die Inspirationsquellen selbst noch zu präsent – durch die eigene formale, inhaltliche Sprache nicht genügend eingefärbt – sind, führt das bei mir immer zu einer persönlichen Abneigung. Franziska hat einen sehr abstrakten Zugang. Die Essenz aus einem Gegenstand zu „destillieren“ und dann gut zu platzieren bzw. allein stehen zu lassen ist schlicht hohe Kunst. Und das streben wir an.

Wie schwierig ist es international gesehen zu werden, wenn man aus Österreich kommt?

F: Von Beginn an hatten wir trotz unserer Loyalität zum Standort Österreich ein sehr gutes internationales Feedback und ebenso tolle PR. Für uns ist eine internationale Marktplazierung ebenso wichtig wie eine gesunde lokale ‚Wahrnehmung‘ unserer Marke. Mit einem starken Image, dem Internet als Medium und passenden, flexiblen Ideen, ist dies, für uns jedenfalls, absolut möglich.

S: Ich denke ausserdem, dass unabhängig von den „Markt-Strategien“ – ob nun lokal Wien oder im internationalem Kontext z.B. Paris – ein wirklich nicht zu verachtender Faktor der „eigene Charkter“ ist. Ganz ehrlich – es ist überall hart. Die Frage ist, ob die eigene Person, der eigene Charakter mit diesem schnellen, intensiven Leben einer Mode-Metropole mithalten kann und auch will? Wir jedenfalls brauchen eine sehr intensive Erdung. Wenn es dann mal wieder zu viel wird, fahren wir nach getaner Arbeit in die Steiermark zu unseren Familien, um wieder Energie zu laden.

F: In Wien zu leben macht es natürlich herausfordernder die richtigen Kontakte zu knüpfen. In Wien gibt es kein mit Paris vergleichbares Netzwerk und die Möglichkeiten sind beschränkter. Dennoch: wir geniessen es sehr peu à peu zu wachsen. Manchmal auch gerne langsam aber dennoch immer beständig. Unser Approach ist: fast fashion slow.

Das Internet ermöglicht heute auch, dass sich die Haupt- und Nebenschauplätze bis zu einem gewissen Grad auflösen. Wie wichtig wird das Foto, wenn man international mit diesem Medium über verschiedenste Kanäle wie Instagram kommuniziert?

F: Bei Instagram geht es für mich sehr um die Frau, die FEMME MAISON trägt. Wir sehen es als ein Tagebuch, in das wir täglich etwas reinschreiben. Man hat eine eigene Bildsprache, die man ständig weiterentwickelt. Wir möchten nach wie vor wertvoll mit dem Medium umgehen, statt Bildermassen zu produzieren.

Gibt es gewisse Kriterien, die ein Kleidungsstück erfüllen muss, damit es in die finale Kollektion kommt?

F: Es muss elegant und dennoch komfortabel tragbar sein – keine verkleidete Eleganz. Elegant zu sein bedeutet auch, sich beim Brötchen holen wohlzufühlen. Ein klares Kriterium ist daher, dass die Kleidungsstücke gut sitzen. Man soll leicht hinein- und hinauskommen und sich dabei gut fühlen. Außerdem sind Taschen für mich absolut notwendig: Jedes unserer Seidenkleider hat Taschen für den funktionalen Aspekt. Dennoch sollte ein Kleid auch immer etwas variabel sein. Wenn ein Kleid einen Gürtel hat, weiß man selber, wie man diesen Gürtel am Liebsten tragen möchte. Den finalen Touch überlassen wir damit der Kundin, sodass die Frau sich mit dem was sie trägt, identifizieren kann.

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FEMME MAISON Franziska Fürpass-Kermani & Sia Ali-Pour-Kermani © Sia Ali-Pour-Kermani / FEMME MAISON

FEMME MAISON
Franziska Fürpass-Kermani & Sia Ali-Pour-Kermani
© Sia Ali-Pour-Kermani / FEMME MAISON

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Wann war für dich, Franziska, der Punkt erreicht, an dem du das Gefühl hattest deine eigene Formensprache gefunden zu haben?

F: Es geht immer weiter. Aber ich fühle mich seit Beginn mit allem wohl, was ich für FEMME MAISON kreiert habe. Denn wohlfühlen bedeutet für mich auch authentisch zu sein und mich selber darin zu sehen. Dass sich FEMME MAISON verändert, hat auch mit mir zu tun. Ich würde nicht sagen, dass ich angekommen bin, vielmehr hat die Reise gerade erst begonnen.

Welche Frau trägt eure Kleidungsstücke?

F: Es war nicht leicht zu definieren, für welche Frau ich designe. Es ist nicht die oberflächliche Modeperson, sondern eine Frau, die fest im Leben steht und viel zu tun hat. Sie liebt Luxus, aber einen tragbaren, modernen Luxus. Sie ist eine Frau, die Kleinigkeiten schätzt, einen Sinn für Details hat und dabei bodenständig ist. Wir beschreiben FEMME MAISON gerne als raue Eleganz, weil es keine Frauen sind, die sich wie Püppchen kleiden, sondern es geht um Charakter, Authentizität und Bewusstsein.

Vielen lieben Dank für das Gespräch! 

// Sabrina Möller

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FEMME MAISON 

www.femme-maison.com

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