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Obwohl das Jahr sich langsam dem Ende neigt und die Wiener Kunstszene bereits mit neuen Programmen für das kommende Jahr in den Startlöchern steht, gibt es im Dezember noch einige Ausstellungen, die man nicht verpassen sollte. Fanny Hauser gibt den Überblick. 

AIL, Im Fluss Credits: Micha Payer und Martin Gabriel. Courtesy Christine König Galerie, Wien

Angewandte Innovation Laboratory (AIL), Im Fluss
Credits: Micha Payer und Martin Gabriel. Courtesy Christine König Galerie, Wien

Für Garderobe wird nicht gehaftet – der Titel der kommenden Ausstellungs- und Diskursprojekt im Angewandte Innovation Laboratory (AIL) lässt bereits erahnen worum es geht: Mode. Anhand einer Auswahl künstlerischer, kulturhistorischer und diskursiver Beiträge präsentieren 21 KuratorInnen des /ecm-Masterlehrgangs für Ausstellungstheorie und -praxis der Universität für angewandte Kunst Mode als Knotenpunkt eines komplexen Beziehungsgeflechts. Obwohl die Modeindustrie in vielerlei Hinsicht kritisiert wird, wird Mode gleichzeitig auch als Ausdruck von Handlung und Sprache verstanden. Die Ausstellung präsentiert sich in drei Formaten (einer Ausstellung im AIL, Interventionen im öffentlichen Raum sowie einem umfassenden Diskursprogramm), die vor allem Fragen der Produktion aufwirft: Wie wird Mode produziert – und wie produziert Mode uns? Mit künstlerischen, gestalterischen und diskursiven Beiträgen von u. a. Birgit Jürgenssen, Ines Lombardi, Markus Schinwald, Rosemarie Trockel und Vivienne Westwood.

Jonathan Messe "DR. NO SPORTARZAHN (EVOLUTIONSSCHRITT DE FIT)“ Ausstellungsansicht, Galerie Krinzinger, Wien, 2015 Courtesy: Galerie Krinzinger, 2015

Jonathan Messe „DR. NO SPORTARZAHN (EVOLUTIONSSCHRITT DE FIT)“
exhibition view, Galerie Krinzinger, Vienna, 13.11.2015 – 08.01.2016, 
Courtesy: Galerie Krinzinger, 2015

In der Galerie Krinzinger kann die mittlerweile fünfte Einzelausstellung des deutschen Malers Jonathan Meese besucht werden. In DR. NO SPORTARZAHN (EVOLUTIONSSCHRITT DE FIT) zeigt Meese erstmals eine Gruppe von neuen Plastiken, Bildern und Zeichnungen, die sich mit dem Thema „Sport“ befasst. Besonders interessiert ist der Künstler dabei an der ideologischen Aufladung des Begriffs sowie dessen Dekonstruktion, wofür er in gewohnter Manier auf Urbilder und Symbole zurückgreift. Im Rahmen der Krinzinger Projekte kann die Ausstellung Mankind / Machinekind noch bis Anfang Februar als vierter und letzter Teil der CCC – Curators Collectors Collaborations besucht werden. Mit einer Auswahl von Werken aus den Sammlungen Servais und Lindwall, konzentriert die Ausstellung sich auf das digitale Sammeln und präsentiert u. a. Arbeiten von AIDS-3D, Juliette Bonneviot, Ian Cheng, Petra Cortright, John Gerrard, Jean-Baptiste Michel und Jon Rafman.

short-shorts. Rita Sobral Campos & August Sander exhibition view, Galerie Andreas Huber, Vienna, 13.11. – 23.12.2015 photo: Stefan Lux

short-shorts. Rita Sobral Campos & August Sander
exhibition view, Galerie Andreas Huber, Vienna, 13.11. – 23.12.2015
photo: Stefan Lux

Besonders sehenswert ist auch die aktuelle Ausstellung short-shorts in der Galerie Andreas Huber, in der sechs Frauenportraits August Sanders in Dialog mit neuen Arbeiten von Rita Sobral Campos treten. Die Charaktere, die von der in New York lebenden Künstlerin entwickelt wurden, sind – nicht wie bei Sanders –  Menschen, sondern abstrakte Konzepte wie Satzzeichen und Muster, Kategorien und Stilfiguren. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die spezifische Textart der kurzen Kurzprosa (short short prose), die Sobral Campos hier verwendet. Vor allem durch ihre Leidenschaft für das Geschichtenerzählen verbunden, entwickelt sich zwischen den unterschiedlichen künstlerischen Positionen ein Dialog über Fotografie und ihre Materialien, Repräsentation und Narration.

Julia Haller, Installationsansicht untitled, 2015, Secession 2015 © Secession

Julia Haller, Installationsansicht untitled, 2015, Secession 2015
© Secession

Vija Celmins, Ausstellungsansicht, Secession 2015 Foto: Stephan Wyckoff

Vija Celmins, Ausstellungsansicht, Secession 2015
Foto: Stephan Wyckoff

In der Wiener Secession können wie so häufig gleich zwei Ausstellungen besucht werden. Während Julia Haller für ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Österreich eine neue Serie von Arbeiten produziert hat, in denen ihre zeichnerische Technik mit Mineralstoffplatten fortsetzt, bespielt die lettische Künstlerin Vija Celmins den Hauptraum der Secession. Seit den 1970er Jahren für ihre eingängigen Sujets (Meere, Wüsten, Nachthimmel und Spinnennetze) bekannt, die in diversen Medien umgesetzt werden, präsentiert die Künstlerin in ihrer ersten österreichischen Einzelausstellung über 70 Arbeiten aus ihrem druckgrafischen Oeuvre. Die von Vija Celmins selbst zusammengestellte Retrospektive umfasst fünf Jahrzehnte ihres Schaffens: von Radierungen aus ihrer Studienzeit in den frühen 1960er-Jahren bis hin zu einer Reihe neuer, bislang nicht gezeigter Editionen.

brut (3x) Ann Liv Young & Marino Formenti - 2 become 1 ©Rania Moslam

brut (3x)
Ann Liv Young & Marino Formenti – 2 become 1
©Rania Moslam

Abschließend sei noch auf das Performanceprojekt 2 become 1 aufmerksam gemacht, das im Rahmen des brut+ Programms bis 9. Dezember besucht werden kann und die erstmalige Zusammenarbeit der Peformancekünstlerin Ann Liv Young und des Pianisten Marino Formenti zum Inhalt hat. Obwohl die beiden KünstlerInnen in sehr unterschiedlichen Bereichen angesiedelt sind, haben sie vor allem die intime Beziehung zu ihrem Publikum sowie die radikale Befragung ihres jeweiligen Metiers gemeinsam. Für 2 become 1 empfangen Young und Formenti ihre BesucherInnen einzeln in einem leer stehenden Wiener Ladenlokal im zweiten Bezirk. Parallel zum Projekt führen sie ein Videotagebuch, das als virtuelles Schaufenster Einblick in die aktuell laufende Arbeit gibt. Den Schlusspunkt des Work in Progress bildet der Abend REVUE am 12. Dezember, der sich auch aus den vorausgegangenen Einzelbegegnungen entwickelt und das Duo Formenti/Young plus Gäste erstmals auf der Bühne präsentiert.

// Fanny Hauser

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