RUDOLF WACKER Stilleben mit Fettpflanze, 1931, Öl auf Sperrholz, 60 × 75 cm Schätzpreis € 100.000 - 200.000, Meistbot € 210.000 (ohne Aufgeld) © Im Kinsky

Der barocke Saal im Wiener Auktionshaus Im Kinsky ist prall gefüllt, als die 3-tägige Auktion am Dienstag Nachmittag beginnt. Es herrscht hektisches Treiben: Einige BesucherInnen konnten keinen Sitzplatz mehr ergattern, während die ExpertInnen und AssistentInnen bereits die ersten Bieter am Telefon in Wartestellung gebracht haben. Dass das Auktionshaus in den kommenden zwei Stunden in der Sparte klassische Moderne gleich mehrere Rekorde für sich verzeichnen kann, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Den Auftakt in der Kategorie Klassische Moderne bildet ein Werk von Egon Schiele, das er mit 18 Jahren im Rahmen seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste gemalt hat. Eine relativ detailgetreue Wiedergabe der Burg Kreuzenstein – ein Frühwerk, das noch nicht die typische Handschrift trägt. Die Papierarbeit von 1906 wurde auf 15.000 – 30.000 Euro geschätzt. Mehrere Bieter treiben den Preis zunächst auf 20.000 Euro. Erst knapp vor dem Zuschlag bringt ein weiteres Gebot Spannung rein: Das Werk wird am Ende für 30.000 Euro (ohne Aufgeld) versteigert. Kurz darauf überrascht „Blick von der Villa Billroth auf den Wolfgangsee“ von Carl Moll aus dem Jahr 1901: Mit 50.000 Euro (ohne Aufgeld) liegt es gleich 20.000 Euro über dem oberen Schätzpreis. Doch das war bloß der Anfang.

RUDOLF WACKER Stilleben mit Fettpflanze, 1931, Öl auf Sperrholz, 60 × 75 cm Schätzpreis € 100.000 - 200.000, Meistbot € 210.000 (ohne Aufgeld) © Im Kinsky

RUDOLF WACKER
Stilleben mit Fettpflanze, 1931, Öl auf Sperrholz, 60 × 75 cm
Schätzpreis € 100.000 – 200.000, Meistbot € 210.000 (ohne Aufgeld)
© Im Kinsky

„Ich habe von dem Maler noch nie ein so schönes Bild gesehen“, so Michael Kovacek über das Werk „Böser Traum“ von Herbert Reyl-Hanisch aus dem Jahr 1931. Mit dieser Meinung war Kovacek nicht allein. Für 108.000 Euro (ohne Aufgeld) hat das Bild für mehr als das Doppelte des oberen Schätzpreises den Besitzer gewechselt – und damit einen neuen Weltrekord für Werke von Reyl-Hanisch erzielt. Einen weiteren Rekord verzeichnet das Auktionshaus laut eigener Aussage auch für die „Drei Schnitter“ von Albin Egger-Lienz. Ein Sujet, das im Werk von Egger-Lienz immer wieder auftaucht, jedoch nun mit 470.000 Euro (ohne Aufgeld) den Höchstpreis in einer Auktion erzielte. Hohe Summen wurden auch mit den Werken von Rudolf Wacker erreicht: Das „Stillleben mit Fettpflanze“ brachte 210.000 Euro (ohne Aufgeld) und seine „Uferlandschaft“  erzielte sogar 220.000 Euro (ohne Aufgeld). Konsequent hohe Preise – über dem Schätzwert – konnte man auch für alle fünf Arbeiten von Werner Berg verzeichnen: Angefangen mit der „Wegbiegung“ von 1965 für 115.000 Euro (ohne Aufgeld, Schätzpreis 35.000 – 70.000 Euro), über „Morgenritt“ für 90.000 Euro (ohne Aufgeld, Schätzpreis 35.000 – 70.000 Euro) und das „Bauernpaar bei Glatteis“, das für 100.000 Euro (ohne Aufgeld, Schätzpreis 35.000 – 70.000 Euro) versteigert wurde. Die Werke in der Auktion von Alfons Walde waren nicht nur museal, sie trugen enorm zu dem beachtlichen Gesamtumsatz von 5 Millionen Euro in nur zwei Stunden bei – der bisher höchste Umsatz dieser Sparte für das Traditionshaus. Walde’s „Tiroler Berghof“ erhielt den Zuschlag bei 400.000 Euro (ohne Aufgeld), sein „Einsamer Berghof“ bei 350.000 Euro (ohne Aufgeld).

ALFONS WALDE Tiroler Berghof (Auracher Kirchl), 1944, Öl auf Karton, 57 x 42 cm Schätzpreis € 250.000 - 500.000, Meistbot € 400.000 (ohne Aufgeld) © Auktionshaus Im Kinsky

ALFONS WALDE
Tiroler Berghof (Auracher Kirchl), 1944, Öl auf Karton, 57 x 42 cm
Schätzpreis € 250.000 – 500.000, Meistbot € 400.000 (ohne Aufgeld)
© Auktionshaus Im Kinsky

ALBIN EGGER-LIENZ Drei Schnitter, um 1921, Öl auf Leinwand, 72 x 115 cm LOT 0099, Schätzpreis EUR 250.000 - 500.000 © Auktionshaus Im Kinsky

ALBIN EGGER-LIENZ
Drei Schnitter, um 1921, Öl auf Leinwand, 72 x 115 cm
Schätzpreis € 250.000 – 500.000, Meistbot € 470.000 (ohne Aufgeld)
© Auktionshaus Im Kinsky

Die Kaufbereitschaft nimmt mit den zunehmend weniger besetzten Plätzen ab, als man zur Sparte Jugendstil & Design wechselt. Eine Auktion ohne große Höhepunkte. Das Lieblingsstück der Expertin Roswitha Holly – ein Deckenluster von Dagobert Peche aus der Wiener Werkstätte – wechselt für 60.000 Euro (ohne Aufgeld, Schätzpreis 40.000 – 80.000 Euro) den Besitzer. Die Rauchergarnitur-Kassette von Josef Hoffmann, die im Vorfeld groß beworben wurde, wird für 90.000 Euro (ohne Aufgeld) verkauft.

Der zweite Tag im Im Kinsky beginnt mit einer Schmuckauktion – oder besser gesagt mit Korrekturen und Anmerkungen zu einzelnen Schmuckstücken. Es ist das erste Mal, dass Schmuck im Auktionshaus Im Kinsky versteigert wird. Entsprechend notwendig war es, sich extern einen Spezialisten zur Schätzung und Beurteilung des umfangreichen Sortiments zur Rate zu ziehen. Das Auktionshaus plant nicht diese Sparte künftig in ihr Programm einzugliedern, vielmehr resultierte der Auftrag aus dem langjährigen Vertrauen der Erben gegenüber dem Auktionshaus. Versteigert wurde der Nachlass von Hedwig Hiltl – mit dem Ziel, den Erlös der Auktion durch die 19 Erben zu teilen. Groß war daher auch das Bestreben vom Im Kinsky, sämtliche Objekte der Auktion erfolgreich zu versteigern – entsprechend klein waren die Startpreise, entsprechend groß die Nachfrage. Tatsächlich war auch diese Sparte ein voller Erfolg. Nur ein einziges Objekt blieb am Ende übrig, alle anderen Schmuckstücke wurden erfolgreich verkauft, darunter ein paar Brilliant-Ohrstecker für 81.900 Euro (inkl. Aufgeld). Insgesamt konnten 875.600 Euro (inkl. Aufgeld) für den Schmuck erzielt werden.

Im Bereich der Antiquitäten überraschten zu Beginn zwei Heiligenfiguren: Die Heilige Agnes – ein Figur aus dem Niederrhein um 1500 – wurde für 22.000 Euro (ohne Aufgeld) versteigert, während der Startpreis bei nur 3.000 Euro lag. Auch die Heilige Anna Selbdritt aus der Mitte des 15. Jh. brachte statt der 3.000 Euro ganze 15.000 Euro (ohne Aufgeld) ein. Ein paar Wiener Wandappliken mit Email aus dem 18. Jahrhundert wurden zur Überraschung: Sie wurden von dem Startpreis von 4.000 Euro auf 40.000 Euro (ohne Aufgeld) hochgeboten.

YVES KLEIN La victoire de Samothrace / Sieg der Samothrake, 1962 Harz, Pigment, synthetisches Bindemittel auf Gips auf Stein montiert; H. 48 cm Schätzpreis € 15.000 - 30.000, Meistbot € 132.000 (ohne Aufgeld) © Auktionshaus Im Kinsky

YVES KLEIN
La victoire de Samothrace / Sieg der Samothrake, 1962
Harz, Pigment, synthetisches Bindemittel auf Gips auf Stein montiert; H. 48 cm
Schätzpreis € 15.000 – 30.000, Meistbot € 132.000 (ohne Aufgeld)
© Auktionshaus Im Kinsky

Es sind wohl die schönsten Momente eines Auktionators und einer Expertin, wenn ein Werk den geschätzten Preis um ein vielfaches übertrifft. Doch nicht nur für die Profis ist das ein Spektakel, sondern ebenso für die Besucher der Auktion. Das Highlight der zeitgenössischen Auktion, die den dritten Tag des Marathons einläutete, war eine Skulptur von Yves Klein. „La victoire de Samothrace“ von 1962 entstand in Anlehnung an die antike, griechische Skulptur „Nike von Samothrake“, die sich heute im Louvre in Paris befindet. Die kleine Skulptur mit einer Höhe von 48 cm im bekannten Yves Klein-Blau übertraf binnen weniger Sekunden bereits den oberen Schätzpreis. Die Schnelligkeit und Intensität beim Bieten um diese Skulptur war innerhalb dieser Auktion unübertroffen. Es brauchte keine ganze Minute bis die vielen Bieter den geschätzten Preis von 15.000 – 30.000  Euro auf einen 6-stelligen Betrag erhöhten. Am Ende waren es nur mehr zwei Bieter, die in diesem Bereich konkurrierten – dennoch trieben sie den Preis weiter auf 132.000 Euro (ohne Aufgeld). Ein kleines Spektakel für die Besucher, für das Team vom Im Kinsky und auch der Einbringer dürfte über dieses Ergebnis mehr als erfreut sein.

HANS BISCHOFFSHAUSEN * Behausungen, 1960, Spachtelmasse, Kunstharzplatte im Plexiglasrahmen, 47.5 x 64 x 6 cm Schätzpreis € 10.000 - 20.000, Meistbot € 35.000 (ohne Aufgeld) © Im Kinsky

HANS BISCHOFFSHAUSEN *
Behausungen, 1960, Spachtelmasse, Kunstharzplatte im Plexiglasrahmen, 47.5 x 64 x 6 cm
Schätzpreis € 10.000 – 20.000, Meistbot € 35.000 (ohne Aufgeld)
© Im Kinsky

Neben diesem Highlight präsentierte das Auktionshaus eine Auswahl klassischer Positionen. Angefangen bei einer Arbeit von Hans Staudacher, die 25.000 Euro (ohne Aufgeld) erzielte, über Arbeiten von Markus Prachensky bis hin zu großformatigen Schüttbildern von Hermann Nitsch, von der eine Arbeit (rotes Schüttbild, Schätzpreis 35.000 – 70.000 Euro) unverkauft blieb, während das Schüttbild in Violett nahe dem unteren Schätzpreis von 25.000 Euro für 28.000 Euro den Besitzer wechselte. Spitzenpreise wurde auch für frühe Arbeiten von Arnulf Rainer erzielt: „Hahn“ von 1968 wird für 22.000 Euro versteigert (ohne Aufgeld, Schätzpreis 8.000 – 16.000 Euro) und „Atomisation“ von 1951 erzielt 130.000 Euro (ohne Aufgeld, Schätzpreis 100.000 – 200.000 Euro). Mehrere Arbeiten von Hans Bischoffshausen erzielten gute Summen, während die Arbeit „Behausungen“ von 1960 sich von den Übrigens abhebt und 35.000 Euro (ohne Aufgeld) statt der geschätzten 10.000 – 20.000 Euro erzielt. Das ORF Filmteam, das während der gesamten Zeitgenossenauktion filmte, wurde zum Ende der Auktion besonders aktiv. Denn für die letzten vier Positionen galt es nochmals hohe Preise für den guten Zweck zu erzielen: Der Erlös der vier von Künstlern gestalteten „Enzis“, die seit Tagen den Eingang des barocken Palais schmückten, sollte für „Licht ins Dunkel“ gespendet werden. Mit Erfolg. Besonders der „Enzi“ von Margit Nobis, der deckend unter anderem in einem kräftigen Rot bemalt wurde, erfreute sich großer Beliebtheit und konnte 2.500 Euro erzielen.

ANGELIKA KAUFFMANN Odysseus auf der Insel der Circe, 1793, Öl auf Leinwand, 115 x 155 cm Schätzpreis € 250.000 - 500.000, Meistbot € 378.000 (inkl. Aufgeld) © Auktionshaus Im Kinsky

ANGELIKA KAUFFMANN
Odysseus auf der Insel der Circe, 1793, Öl auf Leinwand, 115 x 155 cm
Schätzpreis € 250.000 – 500.000, Meistbot € 378.000 (inkl. Aufgeld)
© Auktionshaus Im Kinsky

Überraschungen gab es auch in der Sparte Kunst des 19. Jahrhunderts: Für die großartige Kirchen- und Ruinenarchitektur von Carl Georg Adolf Hasenpflug „Kirchenruine in Halberstadt bei aufgehender Sonne im Winter“ erzielte das Auktionshaus den bisher zweithöchsten Preis. Statt dem geschätzten Wert von 15.000 – 30.000 Euro wurde das Werk für 45.000 Euro (ohne Aufgeld) versteigert. Großes Interesse konnte das Auktionshaus auch für „Der Talmudschüler“ von Isidor Kaufmann verzeichnen: Das Meistbot lag bei 74.000 Euro (ohne Aufgeld, Schätzpreis 50.000 – 100.000 Euro).

In der Kategorie Alte Meister kamen unter anderem erstklassige Werke von Angelika Kauffmann und Jacob van Walscapelle unter den Hammer. Von van Walscapelle wurde eine Früchtestillleben mit Schmetterlingen um 100.000 Euro (ohne Aufgeld, Schätzpreis 70.000 – 140.000 Euro) versteigert und von Angelika Kauffmann kamen gleich zwei Werke unter den Hammer. Für die kleinere Arbeit „Der Fleiß…“ von 1779 wurden 31.000 Euro geboten. Ein echtes Highlight war die Arbeit “Odysseus auf der Insel der Circe”, schließlich gehört diese zu den bedeutendsten im Spätwerk von Angelika Kauffmann. Auch im Vorarlberger Landesmuseum war diese Arbeit im Jahr 2006 eines der Glanzstücke der Kauffmann-Retrospektive. Bei einem Schätzpreis von 250.000 – 500.000 Euro konnten immerhin 378.000 Euro (inkl. Aufgeld) für dieses Werk erzielt werden. Auch wenn der genaue Gesamtumsatz der 3-tägigen Auktion noch nicht vorliegt – diese Auktion war ohne Zweifel ein voller Erfolg.

// Bericht von Sabrina Möller

Ergebnisliste: Hier geht’s zu den Ergebnissen der 109. Kunstauktion

Nachverkauf: Hier geht’s zum Nachverkauf

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