Dominique Gonzalez-Foerster,
Euqinimod & costumes,
environnement, 2014, 303 Gallery, New York vue de l’exposition au Centre Pompidou
© Grégoire Vieille
© Adagp, Paris 2015

Für ihre aktuelle Einzelausstellung im Centre Pompidou erweitert Dominique Gonzalez-Foerster die Idee der Retrospektive um einen Blick in die Zukunft und bringt unterschiedliche Orte und Jahrhunderte miteinander in Verbindung. Das Ergebnis – ein aus autobiographischen und historischen Reminiszenzen zusammengesetztes Raum-Zeit-Labyrinth – kann noch bis 1. Februar 2016 besucht werden und ist definitiv eine Reise wert.

Dominique Gonzalez-Foerster, Chronotopes & Dioramas (Desertic), avec la collaboration de Joianne Bittle, attraction, 2009/2015 Dia Art Foundation: don de l’artiste 2011.001. vue de l’exposition au Centre Pompidou © Grégoire Vieille © Adagp, Paris 2015

Dominique Gonzalez-Foerster,
Chronotopes & Dioramas (Desertic),
avec la collaboration de Joianne Bittle, attraction, 2009/2015
Dia Art Foundation: don de l’artiste 2011.001. vue de l’exposition au Centre Pompidou
© Grégoire Vieille
© Adagp, Paris 2015

Nachdem den beiden französischen Künstlergrößen Philippe Parreno und Pierre Huyghe bereits 2013/2014 Einzelausstellungen in Paris gewidmet wurden, richtet das Centre Pompidou seinen Blick aktuell auf eine weitere französische Ikone der 1990er Jahre – und der Gegenwart: Dominique Gonzalez-Foerster. 1965 als Tochter eines Spaniers und einer Deutschen in Straßburg geboren, begann die französische Künstlerin ihre Karriere in den 1990er Jahren mit dem Medium Film und setzte ihr künstlerisches Schaffen bald darauf mit raum- und zeitübergreifenden Installationen fort.

Ausgangspunkt der aktuellen Ausstellung ‚Dominique Gonzalez-Foerster: 1887 – 2058‘ im Centre Pompidou ist die künstlerische Umsetzung einer offenen Timeline, die sich über die Jahre 1887 bis 2058 erstreckt und rund 30 Arbeiten der Künstlerin miteinander in Verbindung setzt. Den rückwärtsgewandten Blick gleichzeitig nach vorne gerichtet, führt die „retrospective-prospective“, wie Gonzalez-Foerster sie nennt, die BesucherInnen durch ein heterogenes Labyrinth aus Räumen und Displays in der verglasten Südgalerie des Centre Pompidous. Die von Gonzalez-Foerster konzipierten „Chambres“ widmen sich spezifischen Epochen, Reminiszenzen aus Film oder Literatur oder prägenden Persönlichkeiten. So versteht sich auch die einladende, mit einem grasgrünen Teppich ausgelegte Brasilia Hall (1998/2000) zu Beginn der Ausstellung als Hommage an die beiden Architekten Lucio Costa und Oscar Niemeyer, Vertreter und Akteure der brasilianischen Moderne, dem „tropical modernism“. In Kontrast zu ihren „environments“ (Gonzalez-Foerster spricht von „environments“ anstatt von „installations“) stehen die „attractions“ der Künstlerin, wie das gemeinsam mit dem schwedischen Musiker Jay-Jay Johanson geschaffene Cosmodrome (2001). Die Sound- und Lichtarbeit, die als „total environment“ auf sensorische Panoramen zurückgreift und an Ausstellungen aus dem frühen 19. Jahrhundert erinnert, scheint allerdings nicht für jede/n AusstellungsbesucherIn geeignet zu sein: Noch vor Betreten der 10-minütigen Arbeit warnt die Museumsaufsicht die BesucherInnen – denn der dunkle, mit Sand ausgelegte Raum könnte vor allem bei klaustrophobischen Personen ein unbehagliches  Gefühl auslösen. Nicht weniger bedrohlich wirkt Gonzalez-Foersters Videoarbeit Ann Lee in Anzen Zone (2000), eine kollaborative Arbeit der Künstlerin sowie Pierre Huyghe und Philippe Parreno. Ein Jahr nachdem Parreno und Huyghe die Rechte an der japanische Manga-Comicfigur „Ann Lee“ erwarben, luden sie u. a. Gonzalez-Foerster dazu ein, die leere Hülle der Figur mit einer Persönlichkeit und Biographie auszustatten. In ihrer Interpretation verdoppelt Gonzalez-Foerster die Protagonistin Ann Lee und lässt sie apokalyptische Warnungen in englischer und japanischer Sprache von sich geben …

Dominique Gonzalez-Foerster, Euqinimod & costumes, environnement, 2014, 303 Gallery, New York vue de l’exposition au Centre Pompidou © Grégoire Vieille © Adagp, Paris 2015

Dominique Gonzalez-Foerster,
Euqinimod & costumes,
environnement, 2014, 303 Gallery, New York vue de l’exposition au Centre Pompidou
© Grégoire Vieille
© Adagp, Paris 2015

Der komplexe und umfassende Parcours, der sich dem Publikum im Rahmen der Ausstellung offenbart, versteht sich nicht nur als simple Gegenüberstellung von Räumen, sondern lässt gleichsam unterschiedliche Jahrhunderte und Klimata, Protagonisten und Landschaften, persönliche Erinnerungen und historische Momente in Form unterschiedlicher Parallelwelten aufeinanderprallen, die meist von der Beziehung zwischen dem Individuum und dessen Umgebung erzählen. Nicht selten autobiographisch konnotiert, laden die Räume dazu ein zu verweilen, in den aufgelegten Büchern zu blättern oder schlicht und ergreifend dem in der gesamten Ausstellung zu hörenden, tropischen Regen, ein gemeinsam mit Christophe van Huffel konzipiertes „sound environment“, zu lauschen – selbst wenn draußen, auf der Place Georges-Pompidou, eigentlich die Sonne scheint.

// Fanny Hauser

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Dominique Gonzalez-Foerster, 1887-2058

Exhibition: 23/09/2015 – 01/02/2016
The Centre Pomidou • Place Georges-Pompidou • 75004 Paris • Frankreich