PM, Espressorosini BFSB, oil on canvas, 2015, 160x200 cm

Dreams in Blue. The year Philip Mueller didn’t wake up. 

Es sind nur noch wenige Tage, bis Philip Mueller seine bereits dritte Einzelausstellung in der Galerie Carbon12 in Dubai eröffnet: „Dreams in Blue. The year Philip Mueller didn’t wake up“. Wovon Philip Mueller in diesem Jahr geträumt hat, wer die maskierten Personen im Superheldengewand sind und was das mit Wiener Kaffeehäusern zu tun hat, erzählt Philip Mueller im Interview mit Sabrina Möller

Philip Mueller in his studio Courtesy: Carbon12 Gallery, Dubai

Philip Mueller in his studio
Courtesy: Carbon12 Gallery, Dubai

Im Januar eröffnest du deine dritte Solo Show in der Galerie Carbon12 in Dubai. Der Titel ist – wie man es auch von deinen vorherigen Ausstellungen bei Carbon12 kennt – ein recht langer: „Dreams in blue. The year Philip Mueller didn’t wake up.“ Wovon hast du denn in diesem Jahr geträumt? 

Es war ein recht schweres Jahr, in dem ich nicht sehr viel gearbeitet habe. Ich habe mir eingebildet mir eine riesige Wohnung im 8. Bezirk nehmen zu müssen, in der ich arbeiten und wohnen kombinieren kann. Dabei habe mich schwer verschätzt. Vielmehr ist alles drunter und drüber gegangen. Aber ich habe viel erlebt. Dieser Zyklus, der in der Ausstellung gezeigt wird, ist für mich die Aufarbeitung des Jahres. Der Titel ist während der Arbeit entstanden. Das, was die Bilder reflektieren, das Narrative, sehe ich erst, wenn die Bilder fertig sind. Die „Dreams in blue“ habe ich aufgearbeitet seh ich jetzt. „Didn’t wake up“ steht für das Jahr. Das ist ganz ehrlich.

In den scheinbar fast schon idyllischen und dennoch wirklich nicht ruhigen Malereien tauchen kleine Superhelden auf: etwas unsportliche Kopien von Batman und Robin in Unterhosen mit charakteristischem Umhang. Was hat es damit auf sich? Wer sind die maskierten Superhelden? 

Das ist meine Gang!

Eine real existierende Gang? 

Das ist eine Geheimgesellschaft – genannt Black Flamingos – die sich von allem lossagt. Sie verbringen ihre Zeit in der Natur, sind entweder allein oder unter sich. Sie sind maskiert, um sich vor den neidigen Blicken der Anderen zu schützen, fahren schöne Autos – etwa einen Citroën DS – oder reiten in der Natur. Sie sind gebildet und machen alles, was ich gerne mache. Sie sind Outlaws. Sie arbeiten nicht, sie jagen. Sie können den ganzen Tag saufen, weil es einfach keine Rolle spielt. Dennoch: sie kommen aus der Stadt, fahren Auto’s aus der Stadt und tragen Kleidung aus der Stadt. Es geht um die Landflucht. Das Einzige, was aus der Stadt übrig bleibt, sind die Titel der Arbeiten: Namen von Wiener Kaffeehäusern.

Warum erinnern uns diese Maskierungen immer wieder an Batman und Robin? 

Tatsächlich sind es zumeist die Beiden. Die Maske als Element in meiner Arbeit war bereits in meiner ersten Wiener Ausstellung präsent: „Die Energie aus der Maske.“ Wenn du eine Maske aus einer Pop-Kultur nimmst, ist Batman am prägnantesten. Du brauchst nur die Silhouette und schon weißt du, worum es geht. Es ist eine Art Symbol, ähnlich wie bei einem Totenkopf oder einem Kreuz, das stark von unserer Gesellschaft vorbelastet wurde. Diese Symbole haben viel Energie, auf der man aufbauen kann. Der Mythos als Strukturgesetz und jeder hat seine eigene Geschichte dazu.

Philip Mueller, Espressorosini BFSB, 2015 Courtesy: Carbon12 Gallery, Dubai

Philip Mueller, Espressorosini BFSB, 2015
Courtesy: Carbon12 Gallery, Dubai

Batman ist ein Superheld. Was ist denn das Heldenhafte an einem Mitglied der Black Flamingos?

Das sind überhaupt keine Helden. Vielleicht ist auch gerade dieser Kontrast das Schöne. Sie entsagen diesem ganzen Heldentum und machen nichts für Irgendjemanden. Die sind nur für sich da.

Klingt als wären die Black Flamingos sehr egoistische Typen. 

Ja, absolut. Aber sie tun auch niemanden weh.

Die Titel deiner neuen Arbeiten sind ‚Café Landtmann‘ oder ‚Café Zartl‘. Bekannte Wiener Kaffeehäuser, deren reale Architektur und Umgebung doch wesentlich mit der alpinen Landschaft und den Gasthäusern oder Jagdhütten deiner Malereien kontrastiert. Weder architektonisch noch inhaltlich lassen sich hier zunächst Parallelen ziehen. Welche Rolle spielen die Kaffeehäuser für dich in deinem Alltag? 

Eine Große! Wenn ich Büroarbeit mache, dann geh ich ins Kaffeehaus und trink dort einen Spritzer.

Welches ist dein Lieblingscafé? 

Zum Spritzer trinken gehe ich gern ins Café Korb. Dort esse ich zum Mittag auch ein Schnitzel. Oder ganz ehrlich ins Café Rosi.

Was hat es mit den Pferden auf sich? 

Dieses domestizierte Tier, das so lange läuft bis es umfällt, wenn es gut trainiert ist… Es erscheint mir sehr konsequent, es zu verarbeiten. Das Pferd bringt in der Darstellung etwas Heroisches und Erhabenes mit. Als Nutztier wie auch bildlich in der Kunstgeschichte ist es ein gutes Werkzeug: Es erhebt die Figur. Der Reiter erscheint erhöht. Der ist der Chef.

Philip Mueller, Caferitter BFSB, 2015 Courtesy: Carbon12 Gallery, Dubai

Philip Mueller, Caferitter BFSB, 2015
Courtesy: Carbon12 Gallery, Dubai

Wie würdest du deinen Arbeitsprozess beschreiben? Was steht am Beginn einer neuen Arbeit oder Serie? Entwickelt sich alles direkt auf der Leinwand oder gibt es konkrete Themen und Ideen, die vorm Beginn schon feststehen?

Inzwischen gibt es schon konkrete Überlegungen zum fertigen Bild die am Anfang stehen, aber das hat sich erst in den letzten 1.5 Jahren entwickelt. Früher habe ich in meinem alten Studio Leinwände ausgelegt und dann Parties geschmissen. Nach drei wilden Tagen hat sich auf den Leinwänden eine gewisse Struktur und später ein Raum ergeben, zu dem dann die Figuren hinzugekommen sind. Jetzt arbeite ich mit Kompositionsstudien und Skizzen. Ich wandere zum Beispiel durch die Steiermark und habe Hütten, Mühlen und Bauernhäuser gemalt. Erst dann bin ich an das große Format herangetreten. Das ist ganz ungewohnt strukturiert von sich gegangen.

Vom nicht planbaren Zufallsmoment am Boden des Ateliers hin zu einer sehr detaillierten Planung…

Der Zufall und das Offenlassen, wo es hingeht, war stark von Hermann Nitsch und dem Informell geprägt. Das war eine Entwicklung, die für mich wichtig war, auch um Material, Struktur und verschiedene Herangehensweisen zu erproben. Das sind Arbeitsweisen, die auch jetzt noch verwende, nur das es sich permanent weiterentwickelt und mir die Kontrolle zunehmend wichtiger wird.

In einem Interview hast du dich selber einmal als den besten Gegenwartskünstler figurativer Malerei betitelt. Wie kam es dazu?

Ich bin ein ganz großer Fan von André Butzer. Der hat sich selbst als den wahrscheinlich besten, abstrakten Maler der Welt ernannt, wobei er das auf einen Schokoriegel bezogen hat. Ich hab mich auf ihn bezogen.

Gibt es Einflüsse oder Kriterien, die für deine Themenwahl, den Arbeitsprozess oder die Werke selbst wesentlich sind? 

Ja, das entwickelt sich natürlich. Bei mir sind das kompositorische Elemente, die sich wiederholen und die mir offensichtlich wichtig sind. Es ist oft das Dreieck.

Warum das Dreieck? 

Das ist nicht nur ein kompositorisches Mittel, sondern hat bei mir auch einen Bezug zu meiner Kindheit und die Bibelstunden da. Da ist das Dreieck als Symbol für die Dreifaltigkeit natürlich sehr präsent. Ist sonst auch überall drin.

Philip Mueller, Café Landtmann, 2015 Courtesy: Carbon12 Gallery, Dubai

Philip Mueller, Café Landtmann, 2015
Courtesy: Carbon12 Gallery, Dubai

Ist das Dreieck für dich damit auch automatisch positiv konnotiert? 

Das kommt darauf an, wie man es ins Bild setzt. Wenn es nach unten zeigt, ist es automatisch negativ, umgekehrt positiv. Ansonsten ist mir in meinen Arbeiten die Struktur wichtig. Die Arbeit muss auf 20m Distanz  wirken und jeder Ausschnitt das Potenzial zum eigenen Bild haben.

Wann war für dich der Punkt erreicht an dem du deine eigene Formensprache gefunden hast?

Die habe ich bisher nicht gefunden und ich hoffe, dass sich meine Formensprache permanent weiterentwickeln wird. Ich werde keiner sein der jedes Mal rote Linien auf schwarz grundierte Leinwand schmeißt. Der Prozess und das Weitergehen von einem zum nächsten Werk ist ein Spiel. Was passiert heute? Wenn nichts passiert, dann geh ich halt am Abend aus!

Vielen Dank! 

Interview von Sabrina Möller

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PHILIP MUELLER 

DREAMS IN BLUE. THE YEAR PHILIP MUELLER DIDN’T WAKE UP.

Ausstellung: 18/01 — 06/03/2016

CARBON12 • Unit 37 • Alserkal Avenue • Street 8 • Dubai • Al Quoz 1 United Arab Emirates

www.carbon12dubai.com