Iris Dittler: A Body Construction 01 © Eva Asaad Courtesy: Kunstraum Niederösterreich

Mit einem abwechslungsreichen Programm starten die Wiener Galerien und Kunsträume ins neue Jahr. Fanny Hauser weiß, was man auf keinen Fall verpassen sollte.

Andreas Duscha, Winning Hearts and Minds, 2015 Part of the exhibition "Winnings Hearts and Minds" 2016, Christine König, Vienna Courtesy: Andreas Duscha

Andreas Duscha, Winning Hearts and Minds, 2016
Part of the exhibition „Winnings Hearts and Minds“ 2016, Christine König, Vienna
Courtesy: Andreas Duscha

Das Spektakel präsentiert bis Ende Januar Female Gaze, eine Fotoserie der deutschen Künstlerin Rowena Waack zum Thema Sexualität, Macht und Ohnmacht. Aus einer Serie von über 200 schwarz-weiß Fotokopien bestehend, die wandfüllend mit Gaffatape fixiert werden, wirft Female Gaze Fragen zu Geschlechterrollen, Machtverhältnissen und Körperbewusstsein auf: Zwischen Ganzkörperaufnahmen und Nah- und Detailaufnahmen oszillierend, zeigt jedes Bild den komplett rasierten, lediglich mit einer Perlenkette und einer Damenuhr geschmückten Körper eines jungen Mannes, dessen Gesicht unkenntlich gemacht wurde. Nochmals zu sehen ist Female Gaze übrigens im Februar 2016 in Berlin – gemeinsam mit einer Performance des in der Serie gezeigten Schauspielers und Performancekünstlers Uzrukki Schmidt und einer Soundinstallation von Marlais.

Noch bis 12.1. können im Projectspace So Weit, die Zukunft (SWDZ) die Sound Architectures von Stéphane Clor besucht werden. Um die Verbindungen zwischen Klang, Raum, Bewegung und Spontaneität näher auszuloten, widmete der Musiker, Tontechniker und Elektroakustiker sich vermehrt der digitalen und transdisziplinären Kunst. Inspiriert von seinen Erfahrungen im Bereich der improvisierten Musik, verweben sich Clors Installationen und Performances zu augenblicklichen Erfahrungen, Klanglandschaften und kinästhetischen Räumen und werden als solche immer wieder neu erfahrbar. 

Ab 14.1. werden die Räumlichkeiten von SWDZ mit Arbeiten von Diana Lauer und Serafina Spatt bespielt. Die Ausstellung Irgendwas ist anders versteht sich als Gegenüberstellung der Arbeiten der beiden Künstlerinnen, die sich jeweils mit der Darstellung von Verfremdung des natürlichen Raumes  beschäftigen.

Iris Dittler: A Body Construction 01 © Eva Asaad Courtesy: Kunstraum Niederösterreich

Iris Dittler: A Body Construction 01
© Eva Asaad
Courtesy: Kunstraum Niederösterreich

Der Kunstraum Niederösterreich bleibt seinem Schwerpunkt auf Performancekunst auch 2016 treu und widmet ihm unter dem Titel meanwhile … bis Oktober 2016 ein neues Format: Mit dem Ziel, das komplexe Verhältnis von Aufführung und der tragenden Struktur (Gedanken, Einflüsse, Diskurse, etc.) sichtbar zu machen, werden im Laufe der kommenden Monate unterschiedliche Programmpunkte wie performative und prozessuale Arbeiten, Vorträge, öffentliche Diskussionen und Gespräche, ein Forschungsprojekt zu Fragen der Archivierung von performativen Kunstformen und die Gründung eines Archivs für Performance und Prozesskunst präsentiert. Los geht es am 21.1. mit dem Performanceabend und der Ausstellung Objective. The Artist is Absent und den Arbeiten von Daniela Grabosch, Angelika Wischermann, Elisabeth Falkinger und Elisabeth von Samsonow.

Auch die Schleifmühlgasse 12-14 startet mit einem Jahresvorsatz in das neue Jahr: “position!” lautet der Identitätsbegriff des Jahreszyklus 2016 und hält in seiner appellativen Funktion dazu an zu verschieben, zu platzieren, (sich) zu positionieren. Der weit gefasste Titel bezieht sich nicht ausschließlich auf die KünstlerInnen, sondern knüpft an globale Entwicklungen an. Die künstlerischen Positionen des Jahreszyklus verstehen sich dabei als Reflexionen über Verortungen im Kunstdiskurs, in politischen Fragen, über die eigene Haltung in Bezug auf Herkunft und Traditionen und die Bedeutung von (konstruierten) Identitäten. Tiberius Stanciu macht den Auftakt und wirft in My Own Private Anthem Fragen der medialen (Selbst-)Inszenierung und digitalen Repräsentation auf. Dabei verknüpft er mediale Identität mit nationaler, wobei letztere durch erstere abgelöst wird. Das Ergebnis: eine eigene, personalisierte Hymne, die die nationale ersetzt und gleichzeitig die visuelle Präsenz um eine auditive erweitert. 

Christine König widmet ihre erste Ausstellung im Jahr 2016 dem österreichischem Künstler Andreas Duscha, dessen Arbeiten vor allem zwischen Fiktion, Narration und Behauptung angesiedelt sind. In Winning hearts and minds, seiner ersten Einzelausstellung in der Christine König Galerie, setzt Duscha sich mit dem Abwartenden, dem Unentschiedenen auseinander – welche Richtung eingeschlagen wird, ist zwar bereits entschieden, bleibt den BetrachterInnen aber vorerst verborgen. Wir sind gespannt!

Fanny Hauser