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Art Dubai, die bekannteste Kunstmesse am Arabischen Golf, hat diesen März zum zehnten Mal die Türen für alle Kunstfetischisten geöffnet. Obwohl dies das zehnjährige Jubiläum einer anfangs kleinen und lokalen Kunstmesse ist, spürt man kein feierliches Flair. Melanie Sindelar berichtet…

 

Art Dubai Preview, 2016 Courtesy : The Studio

Art Dubai Preview, 2016
Courtesy : The Studio

Flaute am Arabischen Golf?

Es scheint, als ob Art Dubai dieses Jahr einen Gang zurück schaltet: Waren letztes Jahr 71 Galerien aus 35 Ländern in den Contemporary Hallen vertreten, sind es dieses Jahr zwar fünf mehr, aber neue Länder kamen keine hinzu. Trotzdem – und vielleicht zu Recht – vermarktet sich Art Dubai als die globalste und facettenreichste Messe weltweit. Auch das Artist in Residence Programm hat dieses Jahr weniger Künstler aufgenommen, und sogar das VIP Angebot wurde – zum Ärgernis einiger Sammler – abgespeckt. Kann die Messe nicht mehr mit der allgemeinen Akzeleration Dubai’s mithalten? Besonders am letzten Tag sind viele Galeristen im Stress – „sales are going slow“ hört man aus allen Ecken. Ursula Krinzinger von der bekannten Wiener Galerie Krinzinger meint man spüre dass Kunstsammler aus der Region skeptisch großen Ankäufen gegenüberstehen, die Angst vor der Krise sei da, und das obwohl die Krise im Golf bei weitem nicht dieselben Ausmaße hätte wie in Europa. Trotz alledem ist Art Dubai für die lokale Wirtschaft von großer Bedeutung. Allein letztes Jahr hat die Kunstmesse laut einer unabhängigen Studie von Repucom $ 35 Millionen eingebracht.

Futurismus im Global Art Forum

Am Abend der Eröffnung waren die Contemporary Hallen zum Bersten voll, seine Hoheit Sheikh Rashid Al Maktoum stattete der Messe einen Besuch mit seiner Tochter ab, und auch das Global Art Forum hatte einen ersten erfolgreichen Tag hinter sich. Das Global Art Forum ist eine Serie aus Vorträgen, Gesprächen und Performances, welche sich dieses Jahr dem Thema Futurismus widmen. In einem abgedunkelten Zelt mitten auf einer Insel in der großzügig angelegten Madinat Jumeirah Hotel-Anlage ergibt sich ein Raum für Diskussion fernab von dem stressigen Galerien-Business. Eingeladene Gäste waren zum Beispiel Hito Steyerl, deren Werk “Factory of the Sun” erst letztens in der Kunsthalle Wien in der Ausstellung “Political Populism” zu sehen war. Auch Sophia al-Maria, besser bekannt als “Sci-Fi Wahabi” war präsent und diskutierte mit GAF Moderator Shumon Basar die Bedeutung von Wüsten für Sci-Fi Filme und dystopische Zukunftsszenarien.

Moderne Kunst lebt auf

Gut aufgestellt war dieses Jahr die “Modern”-Abteilung, in welcher moderne Kunst aus dem Nahen Osten, Südasien sowie dem afrikanischen Kontinent gezeigt wird. Die Modern Ausstellung befindet sich jedoch zum Verzagnis der Galeristen in einem abgelegenen Eck der Messe, und so verirren sich dorthin nur Kunstkenner und Enthusiasten moderner Kunst genannter Regionen.

Die in Dubai ansässige Lawrie Shabibi Galerie zeigt dieses Jahr Werke von Malileh Afnan, die im Januar 2016 verstorben ist. Sie wurde 1935 als Tochter persischer Eltern in Haifa geboren, und hat Zeit in Beirut verbracht just bevor der libanesische Bürgerkrieg ausbrach. Zu sehen sind “Wartorn” (1979), sowie einige anderer Werke aus den späten 70ern.

Mit dabei war zum ersten Mal auch die ostafrikanische Galerie Circle Art aus Nairobi, die Werke von Geoffrey Mukasa zeigt, einer der bekanntesten ugandischen modernen Künstler. Sein Werk weist indische Einflüsse auf – er hat Uganda verlassen nachdem sein Vater bei Idi Amin’s Putsch umgebracht wurde – und daraufhin Kunst in Uttar Pradesh studiert. Laut Galeristin Danda Jaroljmek sind indische Kunstsammler auf Mukasa aufmerksam geworden, und Art Dubai stellt eine wichtige Plattform dar um Kunst aus Ostafrika zu vermarkten. In diesem Fall auch erfolgreich, denn der Großteil der Werke war am zweiten Tag bereits verkauft, zu Preisen zwischen 6000 $ bis zu 15 000 $.

Exhibition View Booth of CARBON12, 2016 Courtesy: CARBON12

Exhibition View
Booth of Carbon 12 at Art Dubai, 2016
Courtesy: Carbon 12

DANILA TKACHENKO, AIRPLANE - AMPHIBIA WITH VERTICAL TAKE-OFF VVA 14, 2013, INK JET PRINT, HAHNEMUHLE PHOTO RAG SATIN, DRYMOUNT SMART-X, 72 × 90 CM, COURTESY OF PECHERSKY GALLERY

DANILA TKACHENKO, AIRPLANE – AMPHIBIA WITH VERTICAL TAKE-OFF VVA 14, 2013, INK JET PRINT, HAHNEMUHLE PHOTO RAG SATIN, DRYMOUNT SMART-X, 72 × 90 CM, COURTESY OF PECHERSKY GALLERY

„Crapstraction“ und die Kunst auf einer Messe auszustellen

Die Contemporary Hallen, im Gegensatz zu Modern, erfreuen sich auch am zweiten Tag eines guten Besucherstromes. Die Dubai-ansässige Galerie Carbon 12 hat eine Pole-Position gleich am Eingang der Halle 1, und präsentiert ein variantenreiches Programm, dass auch neue Arbeiten des Österreichers Bernhard Buhmann inkludiert, welche gleich restlos ausverkauft waren. In einer Zeit wo der Kunstmarkt von einer sogenannten “crapstraction” überflutet wird, meint Nadine Knotzer von Carbon 12, ist es gut zu sehen dass Künstler wie Bernhard Buhmann international so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die in Dubai ansässigen Galerien haben gleich einen doppelten Vorteil – sie sind zum Teil auf der Messe vertreten, doch die Besucher wagen ebenso einen Blick in das Industrieviertel Al Quoz, wo in der Alserkal Avenue gleich mehrere Galerien zu finden sind. In den Contemporary Hallen ist auch Marker zu finden, ein speziell kuratiertes Programm dass jedes Jahr Kuratoren und Künstler aus anderen Weltregionen einlädt – dieses Mal sind die Philippinen vertreten.

Auch russische Galerien sind zu finden, so zum Beispiel die Pechersky Gallery aus Moskau. Auf die Frage hin ob sie auch auf der Art Basel im Mai ausstellen würden, hat Anastasia Shavlokhova, eine Angestellte der Galerie, verneinen müssen. Es sei recht schwer einen Platz in Art Basel zu bekommen, trotz mehrerer Bewerbungen. Vielleicht, so spekuliert sie, hat dies auch einfach politische Hintergründe. Generell sei es einfacher, amerikanische Künstler zu vermarkten, als russische Künstler. Eine befreundete Galerie aus Tehran, die erst seit 2-3 Jahren existiert, hatte es auf Anhieb sofort in die Frieze Art Fair in London geschafft, sagt sie. Jetzt, wo die Sanktionen langsam verschwinden, atmet auch der Kunstmarkt im Iran wieder freier auf.

Wenn in Dubai die Dämmerung anfängt, lassen sich müde Kunstsammler in der Abraaj Lounge nieder – wo man sogleich auf einen libanesischen Industriellen trifft, der ein Werk von Geoffrey Mukasa, dem ugandischen Künstler, erworben hat. Alle anderen Besucher die noch genug Energie haben, bewegen sich stattdessen in die Nähe des Global Art Forums zu der Elyx Bar, wo versierte “Bar-Tenders” ungewöhnliche Cocktails in Dosen mixen. All dies geschieht wie jedes Jahr in der luxuriösen Umgebung des Madinat Jumeirah Hotels und mit Aussicht auf den heute grün beleuchteten Burj Al Arab welcher sich mit der untergehenden Sonne im Farben-Wettkampf befindet.

Selbst wenn die diesjährige Edition der Kunstmesse keine großen Entwicklungssprünge im Vergleich zum letzten Jahr gezeigt hat, ist Art Dubai einen Besuch wert. Die Absenz einiger Blue Chips lässt mehr Raum für Vielfalt, und vielleicht hat Antonia Carver – die Direktorin von Art Dubai – gar nicht so Unrecht, wenn sie Art Dubai als eine „fair of discovery“ beschreibt.

// Melanie Sindelar

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ART DUBAI 2016

16/03 – 19/03/2016

www.artdubai.ae