ERC 2016 - European Registrars Conference Vienna (8.6. - 10.6.2016, Hofburg) © eSeL.at

 

„Kunstkritiker glauben, dass jedes Detail einer Ausstellung das Ergebnis eines Kurators ist. Sie glauben, dass die Ausstellung so aussieht, weil der Kurator es genauso haben wollte.“

Mit diesen Worten leitete am vergangenen Freitag Julia Voss ihren Vortrag „Backstage – what viewers shouldn’t find out“ ein. Der Titel des Vortrages passt zur European Registrars Conference (ERC), die vom 08. – 10. Juni 2016 in der Wiener Hofburg stattfand. Die Konferenz richtet sich an Ausstellungsmanager und Registrare: An diejenigen, die hinter der Bühne, statt auf der Bühne arbeiten. An diejenigen, die für die Besucher nicht sichtbar sind. An diejenigen, die für sämtliche organisatorische Tätigkeiten im Rahmen einer Ausstellung – angefangen bei den Leihanfragen, Versicherungen, Transporten bis hin zum Aufbau der Ausstellung – zuständig sind. 

ERC 2016 - European Registrars Conference Vienna (8.6. - 10.6.2016, Hofburg) © eSeL.at

ERC 2016 – European Registrars Conference Vienna (8.6. – 10.6.2016, Hofburg)
© eSeL.at

Aufgrund der Initiative des 2012 gegründeten ARC – Austrian Registrars Committees – haben sich Ausstellungsmanager und Registrare nun in Wien zu der, alle zwei Jahre in unterschiedlichen europäischen Hauptstädten stattfindenden Konferenz, zusammengefunden. Mit dem Bestreben zu netzwerken, an gemeinsamen Standards zu arbeiten und sich natürlich weiterzubilden. Denn wer Ausstellungsmanager oder Registrar ist, hat in der Regel keine spezifische Ausbildung für diesen Beruf genossen. Umso wichtiger sind vergleichbare Events, die den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit fokussieren. Denn als Registrar bildet man eine Schnittstelle zwischen den Bereichen Restaurierung, Depot, Spedition und Versicherung – wie das Mumok in ihrer derzeitigen Stellenausschreibung angibt. Das erfordert Kenntnisse der unterschiedlichen Branchen, Wissen über Rechte und Risiken. Darüber hinaus sind Registrare noch mit der Archivarbeit betraut und in die Sammlungsforschung involviert. Die stetige Digitalisierung erfordert darüber hinaus ständig neues Wissen und Innovation. Kein Wunder also, dass knapp 700 Teilnehmer an der Konferenz teilnahmen – u.a. aus Institutionen wie dem National Museum of Art oder der City University aus Hong Kong. 

Die Leitfrage, die den roten Faden durch den Vortrag von Julia Voss bildete, war, ob die Betrachter überhaupt wissen müssen, was im Hintergrund passiert. Ihre Antwort war durchwegs eindeutig: Ja, sie müssen! Doch während Ausstellungsmanager und Registrare darum bemüht sind, ihre Tätigkeit transparent zu machen und über ihre Jobs zu informieren, stand für Voss vor allem die Transparenz von Leihgaben und vor allem von Leihgebern im Vordergrund. In ihrem Vortrag konzentrierte sie sich weniger auf die Sichtbarkeit der Mitarbeiter, die im Hintergrund agieren, sondern um die öffentliche Kommunikation von Leihgaben. Jene Informationen, die sie für ihre journalistische Arbeit als relevant aber schwer zugänglich empfindet. Informationen, die Relevanz haben, weil sie Vernetzungen und Kriterien in der Wahl und Zusammenstellung von Werken sichtbar machen, die Fragen nach externen Finanzierungen und Geldgebern zumindest teilweise beantwortet. 

ERC 2016 - European Registrars Conference Vienna (8.6. - 10.6.2016, Hofburg) © eSeL.at

ERC 2016 – European Registrars Conference Vienna (8.6. – 10.6.2016, Hofburg)
© eSeL.at

Wesentlich konkreter oder spezifischer war der Vortrag von Harald Krämer: „Use and re-use of Data. How Registrars impact the Future of Museums “. Der Associate Professor der City University aus Hong Kong zeigte mögliche Umgangsformen mit hochaufgelösten Daten: Etwa, wie man Wandmalereien in einer 360° erlebbar macht. Und das mittels diverser Tools, die den Betrachtern das Zoomen von Bilddetails ermöglichen, bis hin zu Animationen dieser Malereien, wobei letzteres doch zu sehr nach Kino und Entertainment als nach seriöser Kunstbetrachtung klingt.

Spannend war auch der Vortrag von Jennifer Hefner, die Co-Gründerin von Articheck: Eine App, die die Erstellung von Zustandsberichten für Kunstwerke wesentlich beschleunigt und vor allem diverse sinnvolle Funktionen zu bieten hat. Doch was zunächst wesentlich spannender erschien, war ihr Rückblick: Wie sahen Zustandsberichte früher aus? Von den ersten händischen Notizen über schlecht sichtbare Schwarz-Weiß-Kopien, die nach Fax-Übermittlungen nichts über den Zustand des Werkes ersichtlich werden lassen. Bis hin zu heutigen digitalen Möglichkeiten, die den schnellen Austausch zwischen Experten ermöglichen. Das PDF war eine Revolution für die Tätigkeit von Registraren, doch waren sie zunächst nicht interaktiv – im Vergleich zu heute. Aus einem eigenen Bedürfnis heraus, nicht ausreichend geeignete Tools für Condition Reports vorliegen zu haben, gründete Hefner Articheck. Ihrer Aussage nach, kann man damit nun einen Zustandsbericht, für den man sonst circa 45 Minuten benötigt, in 10 Minuten anfertigen. Das spart tatsächlich viel Arbeitszeit. Wobei am Ende des Vortrages nicht klar wird mit welchen Umfang an Kosten Articheck verbunden ist. Denn nach dem interessantes Rückblick geht es im Vortrag vor allem um die Vermarktung von Articheck. Schließlich sind die 700 Teilnehmer der ERC potentielle Kunden. Auf der Website des Unternehmens werden verschiedene Konditionen monatlicher Abos angeboten, die aber quantitativ beschränkt sind – auf 50 oder 100 Condition Reports pro Monat. Der Unlimited Access für 3 Mitarbeiter umfasst $ 300,- bei jährlicher Bindung. Dagegen wirken sogar die monatlichen Abos von Adobe günstig. Denn nach zehn Jahren hat man als Unternehmen bereits stolze $ 33.000,- für das Programm gezahlt – soviel wie für ein hübsches Auto. Laut Gründerin Hefner spart man aufgrund der eingesparten Arbeitszeit dennoch viel Geld als Unternehmen. Doch ganz unabhängig davon macht die Präsentation deutlich, wie Registrare arbeiten. Welche Informationen sie über Werke wissen müssen, welche Informationen sie mit den Kollegen austauschen.

ERC 2016 - European Registrars Conference Vienna (8.6. - 10.6.2016, Hofburg) © eSeL.at

ERC 2016 – European Registrars Conference Vienna (8.6. – 10.6.2016, Hofburg)
© eSeL.at

Neben einer Reihe von weiteren Vorträgen mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen, wie etwa „Art and the Law“, wurden diverse Workshops angeboten. Denn mit all der Technologie und dem hohen Datenaustausch, werden auch Risiken sichtbar. Im Workshop „Cybercrime in the Art World“ wurden eben diese Herausforderungen besprochen. Für die internationalen Teilnehmer wurden darüber hinaus Field Trips zu kunsttrans, hs art service oder auch ins Leopold Museum angeboten. 

Sabrina Möller

//

ERC – EUROPEAN REGISTRARS CONFERENCE

Der österreichische Verein der Registrare Arc – Austrian Registrars Committee hat die internationale Konferenz der Registrare – ERC – European Registrars Conference – organisiert. Die Konferenz findet vom 8-10. Juni 2016 in der Wiener Hofburg statt.

Mehr unter: www.erc2016.at