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Der schwarze Berg gegenüber dem grünen Hügel.

Richard Wagner’s „Parsifal“, der einst nur für die Bayreuther Festspiele gedacht war, lässt bei vielen gewisse Assoziationen hervorrufen: Während die älteren Jahrgänge gespannt den klassischen Klängen lauschen, ist die Oper für viele junge Menschen nicht mehr allzu spannend. Dass der „Parsifal“ auch neu in das digitale Zeitalter übersetzt werden kann, lässt daher zunächst viele skeptisch wirken. Soll er das überhaupt? Jan Engel, Kultur- und Kommunikationsberater, war der Meinung, dass es an der Zeit ist, auch junge Leute wieder zurück auf den grünen Hügel, die Bayreuther Festspiele, zu bringen – oder zumindest in die Nähe davon, auf den schwarzen Berg. Als „Stimulanz“ sollte der zehn-minütige Film, dem Konsumverhalten der Digital Natives entsprechend, zu einem Experiment werden, der für AUDI „Zeitgeist“ produziert wurde. Moritz von Oswald, einer der bekanntesten DJs aus Deutschlands Technoszene, hat sich aus diesem Anlass an den „Parsifal“ gewagt. Eine Herausforderung; denn wie geht man vor, wenn man einen renommierten Klassiker in das digitale Zeitalter übersetzen möchte? Drei Leitmotive hat Moritz von Oswald ausgewählt, die den roten Faden durch den Film bilden: Verheißung, Verführung und Verzweiflung. Wie auch schon im 19. Jahrhundert könnten diese Themen kaum aktueller sein. Ständig setzt von Oswald seine Beats in einen neuen Kontext und lotet die Grenzen des Technos aus. Ein Ergebnis, dass sich durchaus hören lassen kann.

 

Nach dem Motto „Wagner meets Techno“ wird die 4,5h lange Oper in 10 Minuten zusammengefasst – zumindest so gut es geht. Der Film, der mit dem Künstlerkollektiv Like a Wild Beast’s Fur (Regie: Nicholas Mockridge) erarbeitet wurde, kratzt nur an der Oberfläche des eigentlichen Inhaltes der Oper. Ganz ohne Erklärung oder jegliches Vorwissen ist es recht schwer die Oper zu verstehen. Die Frage bleibt, ob ein Kurzfilm überhaupt eine so komplexe Geschichte überliefern kann? Umso überzeugender sind hingegen die Bilder und der Schnitt: Schnelle Schnitte und Zeitraffer geben der Geschichte erst ihren experimentellen Touch und lassen die hochqualitativen Bilder zu einer schönen Komposition werden. Das Licht und die Kostüme kommen einer Operninszenierung auf der Bühne gleich. Was in jedem anderen Film als pompös und übertrieben wirken würde, kann in „Black Mountain“ durchaus Eindruck schinden. Im Unterschied zu der Lichtershow und den Visual Effects im Film, wirkt der Hintergrund sehr clean und schlicht. Was bei Wagner noch von dem mediterranen Italien geprägt wurde, wird nun abstrahiert und in einen modernen Kontext gesetzt. Das religiöse Thema, dem sich Wagner mit „Parsifal“ einst widmete, wird dabei nur in dem Projektionsraum aufgegriffen: Eine ehemalige Kapelle, die an den Seiten Rundbögen aufweist. Gleich wie auch einzelne Bilder des Films, wirkt dieser weiße Raum zugleich sehr steril. Mithilfe von Lichtern und Nebelmaschinen wird die Atmosphäre, die sich auch im Film zeigt auf den Raum übertragen.

Unter den geladenen Gästen der Launch Party in Berlin in der Galerie Patrick Ebensperger gibt es einige interessante Persönlichkeiten, wie es auch der Cast widerspiegelt. Von dem isländischen Schauspieler Tómas Lemarquis als Parsifal zu der Sängerin Peaches als Kundry. Von dem Schauspieler Alexander Scheer in der Rolle des Klingsor bis hin zu dem Schauspieler Andreas Pietschmann als Amfortas. Volker Spengler wirkt als König Titurel und Jacques Palminger als Ritter Gurnemanz. Das ehemalige Model VER.u.s.c.h.k.A (Leidens-Motiv), der deutsche Fotograf und Türsteher des Berghain, Sven Marquardt (Grals-Motiv), die Schweizer Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer (Blumenmädchen), sowie die russische DJane, Nina Kraviz (Erlösungs-Motiv) sind auch in dem Kurzfilm vertreten. Obwohl diese Besetzungen für die jeweiligen Rollen wie geschaffen scheinen, wirken sie aufgrund ihrer starken Symbolik anfangs eher irritierend. Es erscheint ungewohnt, Gefühle in Form von Personen darzustellen bzw. scheint das für die Länge des Filmes zu komplex zu sein. 

Losgelöst und doch als Teil des Filmes, wirkt die Installation des jungen Industrial Designers Hauke Odendahl. Wie auch Moritz von Oswald die Oper auseinander genommen hatte, nimmt der junge Designer in seiner Lichtinstallation den Film auseinander. Durch die halb durchlässigen, halb reflexiven Gläser, die auf unterschiedlichen Höhen an einem Mobile hängen, – angetrieben von einem Ventilator – wird der Film in vielen Fragmenten von einem Projektor auf die, in verschiedenen Winkel hängenden, Gläsern projiziert und von diesen teils absorbiert, teils an die Wände reflektiert. Was für die einen ein unerkennbares Loslösen des Filmes und der eigentlichen Intention des Projektes bedeutet, lässt für die anderen den Abend einstimmen, da das Lichtspiel an eine Diskokugel erinnern kann. 

Im Kellergebäude unter der Kapelle zeigt Florian Kolmer seine Fotografien mit denen er die Schauspieler in ihren Rollen abgelichtet, auf Zeitungspapier gedruckt und mit Wandkleister wie ein Plakat an die Wände geklebt hat. Beleuchtet von kleinen Scheinwerfern – passend zum Beat der Party.

// Valentina Marterer

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#BlackMountain #AudiZeitgeist

Der Film ist vom 6/07 – 24/07/2016 in der Galerie Patrick Ebensperger zu sehen!

Galerie Patrick Ebensperger • Plantagenstraße 30 • 13347 Berlin • Deutschland

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